Mau in South America

… und das Abenteuer geht los ...

08März
2016

5 Tage im Torre del Paine Nationalpark - unterwegs auf dem "W"

2. März - Mittwoch

Mit Muskelkater und ziemlich müde müssen wir um 5:45 Uhr raus aus dem Bett.. Ein warmes gemütliches Zimmer nach den Tagen Camping war einfach zu schön und viiieeeelll zu kurz.. Aber wir müssen nun aufbrechen, denn unser Bus fährt 7:30 Uhr ab und wir müssen noch zum Busterminal laufen. Insgesamt brauchen wir 7 Stunden bis nach Puerto Natales, da die Einreise nach Chile an der Grenze einiges an Zeit kostet. An keiner Grenze Südamerikas war die Grenzkontrolle bisher so strikt. Das gesamte Gepäck wird ausgeladen und wird durchgescannt, alles wie am Flughafen...

Am Busterminal in Puerto Natales treffen wir Lukas wieder. Mit Lukas war ich im Hostel in Buenos Aires und wir hatten ihn bereits im Hostel Bariloche erneut getroffen. Wir hatten damals schon Witze gemacht, dass er uns ja unser Zelt abkaufen kann, wenn wir uns im Süden nochmal treffen. Ich gebe zwar die Warnhinweise weiter, dass das Zelt sehr klein ist und wir nicht so zufrieden waren, aber für meinen unschlagbaren Preis von 30€ kann er nicht Nein sagen.. Linda und ich hatten beschlossen, dass uns das Zelten im Nationalpark bei Sturm, Regen und Minusgraden im kleinen (und  undichten) Zelt zu riskant ist, dafür hat es beim "Probecamping" nicht gut genug bestanden. Daher haben wir für die jeweiliegn gebuchten Campground ein Zelt mitgemietet. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass wir das Zelt nicht tragen müssen, die Rucksäcke sind eh schon schwer genug... Trotzdem traurig sich von unserem kleinen Zelt zu verabschieden..

Am frühen Nachmittag kommen wir dann im Hostel an: The Singing Lamb Hostel, eins der besten Hostels meiner ganzen Reise. Die Zimmer sind gemütlich und zur Abwechslung gibt es kein Hochbett, wir haben jeder unser eigenes Bett, was für ein Luxus! Und es gibt noch einen weiteren Luxus: wir haben morgen einen ganzen Tag zum ausspannen, organisieren, packen und schlafen: Ehrlich gesagt haben wir diesen morgigen Tag bei der Planung übersehen, wir haben ihn einfach nicht verplant, was für eine Freude für uns jetzt, denn wir müssen vor den 5 Tagen im Torre del Paine Nationalpark dringend einmal ausschlafen! Und natürlich ist auch wieder einiges zu organisieren.. Fast kommt es uns so vor, als wäre alles was wir bisher gemacht haben die "Vorbereitung" auf das Kommende gewesen, unser Urlaubshighlight steht kurz bevor :)

Als Erstes müssen wir alle unsere Sachen in die Reinigung bringen, allein deshalb ist der morgige Tag schon unglaublich wichtig.. Als nächstes geht es los in die Stadt: spätes Mittagessen und dann mal wieder Outdoor-Equipment-Shops. Wir brauchen dieses Mal deutlich mehr Equipment, wie zum Beispiel einen wärmeren Schlafsack für mich, da wir nun im Süden Patagoniens nachts Minusgrade haben werden, Wanderstöcke (bis zu 120km/h Sturm und steile Auf-und Abstiege mit schwerem Gepäck machen diese wohl notwenig), Gaskocher, Topf, Besteck und und und.. Wir schreiben 3 lange Listen: Was müssen wir ausleihen? Was müssen wir kaufen? Was müssen wir packen? #monsterreise

Die letzten 2 Wochen Wandern und Campen haben uns schon gut vorbereitet, wir wissen was wir bei 5 Tagen für Frühstück, Mittag und Abendessen kaufen müssen. Die entscheidene Frage ist nur, wie viel von allem? Wir wollen auf der einen Seite natürlich nicht zu viel tragen, aber andererseits werden wir um die 25km pro Tag wandern und daher hungrig sein. Ich erinner mich zu gut an den schweren Aufstieg zum Fitz Roy ohne reichhaltiges Frühstück, da ging es mir gar nicht gut. Zusätzlich wird es auch kalt werden und wir werden was warmes zu Essen haben wollen.. Der Nachmittag ist mit Erkunden der Stadt und Besuch der vielen Outdoorläden schnell um. Ausnahmsweise gehen wir mal zu einer vernünftigen Uhrzeit Abendessen und schon um 22 Uhr!!! ins Bett. Endlich mal schlafen :)

3. März - Donnerstag 

Ausgeschlafen, gemütliches Frühstück und heiße Dusche! Der Vormittag ist schnell um, wir sollten uns auf den Weg machen,es gibt heut noch einiges zu tun: Zuerst zum Geldautomaten, Geschirr undTopf im kleinen Krimkrams-Laden gekauft und los zum Supermarkt und einem kleinen Laden mit Trockenobst -gemüse und Nüssen. Wir kaufen unsere Verpflegung für 5 Tage... Das heißt im Großen und Ganzen:

Frühstück: Oat-Meal mit Nüssen; Mittag: Müsliriegel; Abendessen: Pasta mit Tomatensauce für 3 Abende und 1 Mal Kartoffelpürree mit getrockneten Champignons und Zwiebeln; Snacks für Zwischendurch: Trockenobst, Kekse und Schokolade. Dazu brauchen wir natürlich auch noch andere Dinge, wie Klopapier, Müllsäcke (falls es regnet um alles zusätzlich trocken zu halten) und Zipperbeutel... Das wird ganz schön schwer das alles zu tragen... Auf dem Rückweg gehts nun zum Rental-Shop: Gaskocher, Schlafsack & Wanderstöcke ausgeliehen. Mein jetziger Schlafsack ist ungefähr 10 Mal so groß wie den, den ich aus Deutschland mitgebracht habe. Mein eigener Schlafsack ist für Komfort-Zone 2 Grad, jetzt habe ich einen für bis zu -6 Grad. Allein der Schlafsack ist so groß, dass mein großer Backpack komplett ausgefüllt ist.. Ziemlich großes Monster! :) Nachdem wir alles zum Hostel begracht haben, gehen wir zum "free-info-talk". In der Bar, die zum Rental-Shop gehört, wird täglich um 15 Uhr eine Inforunde veranstaltet, die ungefähr 1,5 Stunden dauert.. Hier geht es nochmal um den gesamten Trek: wie kommen wir zum Park, Unterkünfte und Buchung der Campgrounds, Wanderstrecke an sich, was packt man an Klamotten, was an Essen und Trinken und vieles mehr. Wir haben das Gefühl gut vorbereitet zu sein, haben wir doch alles vom Infotalk bereits berücksichtigt :)

Und nun kläre ich Euch mal auf, warum wir immer vom "W-Trek" im Torre del Paine sprechen. Mit dem Bus fahren wir bis nach Pudeto und nehmen von dort den Catamaran über den Pohoe Lake bis zum Paine Grande Shelter. Am ersten Nachmittag werden wir dann in den Westen bis zum Grey Glaciar wandern und dort die erste Nacht campen. Von Tag 2 bis 5 wandern wir dann das gesamte "W" von West nach Ost ab und werden am letzten Tag am frühen Nachmittag beim Hotel Las Torres unsere Wanderung im Osten des Parks beenden und mit dem Shuttlebus aus dem Park hinaus fahren:



Nach dem Info-Talk gehen wir die letzten Kleinigkeiten einkaufen und gehen Essen und unsere Wäsche von der Laundy abholen. Jetzt beginnt die eigentliche packaction...

 

Obwohl wir den ganzen Tag Zeit hatten, ist es wieder spät geworden und erst gegen 1 Uhr nachts sind wir fertig. Wir hätten das alles auch sicherlich schneller hinbekommen, aber irgendwie macht ja auch die Planung und Organisation schon Spaß :) Wir sind aufgeregt, morgen früh geht es los :)))

4. März - Freitag

Mit dem Bus brauchen wir 3 Stunden zum Parkeingang, hier warten wir auf unseren Catamaran. Der See hat eine unglaublich schöne Türkisfarbe und wir sehen bereits die schönen Berge, die für die nächsten 5 Tage unser Wanderziel sein werden :) Die Catamaranfahrt dauert eine gute halbe Stunde und ist bereits eimalig schön. Die Spitze der Berge sind ein bisschen in Wolken gehüllt, die Sonne fällt durch die Wolken auf das türkise Wasser und es ergibt ein glitzerndes farbintensives Bild.. das werden wundervolle 5 Tage, da bin ich mir hier schon sicher!

   

Wir kommen am Paine Grande Shelter an, unser Ausgangspunkt! Unser heutiges Tagesziel ist das Camp Grey, 11 Kilometer von hier entfernt. Es ist ziemlich kalt und windig. Die erste halbe Stunde mit Wanderstöcken ist erst mal ungewohnt, aber wir gewöhnen uns schnell daran und wollen sie danach nicht mehr missen.

   

Wir treffen ein nettes deutsches Ehepaar mit denen wir ab und zu am ersten Tag gemeinsam wandern, lustigerweise haben wir drei Mädels alle den gleichen Rucksack :) Der Wanderweg ist heute bereits ordentlich bergig und der Rucksack mit dem gesamten Essen noch schwer. Aber dafür ist heute nur ein halber Wandertag und mit 11km der bei Weitem kürzeste ;) Wir laufen fast den ganzen Nachmittag entlang wunderschöner Lagunen, da wir immer Näher an den Gletscher Grey herankommen wird es kühler und wir sehen riesige Eisschorlen im türkisen Wasser... Da es recht wolkig ist werden wir auch nicht durch die Sonne gewärmt und der Wind ist eisig, gut dass wir uns warm laufen :) Die Wolken geben jedoch ein tolles Fotomotiv, aber seht selber :)

      

Wir kosten die 11km Weg bis auf letzte aus und machen viele Stops:) Daher ist es auch schon recht spät, als wir im Campground ankommen. Ein Glück steht unser Zelt schon! Im Vergleich zu unserem Minizelt ist es ein LUXUS! Wir haben ein Vorzelt für die Schuhe und Wanderstöcke und drinnen müssen wir mal nicht die Backpacks umarmen um Platz zum Schalfen zu haben ;) Es bleibt jedoch auf unserer ganzen Tour das einzige Zelt mit Platz... 

 


Im Nationalpark ist es verboten draußen zu kochen, die Brandgefahr ist einfach zu groß, es ist hier schließlich fast immer windig.. Also gehen wir in die windgeschütze Hütte um zu kochen und genießen unsere erste selbst gekochte Pasta auf dem Trek. Nach einem langen Wandertag schmecken die unglaublich gut... yammiehhh

5. März - Samstag

Wir haben einen laaanagen Tag vor uns, daher gibt es dieses Mal auf unserer Wandertour auch einen Wecker, bis 11 Uhr schlafen können wir uns nicht erlauben. Da wir die Campgrounds vorbuchen mussten gibt es auch keine Chance, wir MÜSSEN heute Abend im gebuchten Camp ankommen, ansonsten haben wir keinen Schlafplatz. 

Das Wetter heute ist wieder sonnig und ein paar Wolken am Himmel, die zum Fotografieren sicher vorteilhaft sind :) Aber was heute dazu kommt ist ein heftiger Sturm! Wir können es gar nicht glauben, wir haben sowas noch nie erlebt;  dass einen der Wind so umpusten kann. Wir sind heilfroh über unsere Wanderstöcke, bei heftigen Böen lehnen wir uns auf die Stöcke um uns etwas Halt zu geben. Dennoch wird Linda einmal ordentlich zur Seite gepustet und ich falle einmal in einen Busch und einmal werde ich von den Stufen einer Brücke so stark von einer Böe erfasst, dass ich seitlich runterfalle. Ein Glück habe ich mir nicht wehgetan und im Nachhinein war das ein witziges Erlebnis, dennoch haben wir Respekt vor dem Wind!Später wird uns erzählt es waren um die 85km/h...

Aber  zurück zum Anfang. Am Morgen gehen wir zuerst zu einem Aussichtspunkt, um uns den Gletscher Grey noch aus der Nähe anzusehen. Und nun geht es erst mal die 11km zurück, die wir gestern hergekommen sind! Das häufige Rauf und Runter des gestrigen Weges noch gut in Erinnerung wissen wir schon dass uns ein anstrengender Vormittag erwartet :)

  

Um die Mittagszeit erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt von gestern, dem Paine Grande Shelter. Wir machen einen kleinen Stop und wärmen uns im Refugio kurz auf. Nun geht es weiter in die entgegengesetzte Richtung, 7,4km bis zum Camp Italiano. Das ist jedoch noch nicht unser finales Ziel für heute Abend, denn im Camp Italiano können wir ohne eigenes Zelt nicht bleiben. Unser Camp inclusive Zelt ist das Camp Frances (liegt zwischen Italiano und Cuernos, fehlt in der Karte oben), ungefähr 2 km weiter.  Über unseren Weg muss ich ja nicht viel sagen oder wiederholen, wie unglaublich unglaublich schön die Natur hier ist, denke die Bilder sprechen da ganz für sich (und man bedenke, dass Fotos nie wirklich widergeben wie schön es in echt war...)

    

Unser erster Tag mit einer Strecke von über 20km! Inclusive dem ersten Aussichtspunkt heute morgen sind wir gute 23km gelaufen. Das macht sich natürlich ordentlich bemerkbar und wir sind ausgehungert und freuen uns auf unsere Pasta :) Unser Zelt ist auf einem Holzplateu gebaut, bei der dünnen Isomatte wird das eine harte Nacht.. Nur über den schweren Moster-Schlafsack bin ich doch echt froh, zumindest friere ich jetzt nachts nicht mehr..

 
6. März - Sonntag

Heute bekommen wir eine kleine Pause vom Tragen unserer Backpacks. Wir legen nur mit unserem Tagesrucksack bepackt den Weg zurück zum Camp Italiano zurück und machen uns dann auf den Weg die Mitte des "W" hinauf. Das Valley Frances ist ein Aufstieg das gesamte Tal hinauf bis zum Britannico Lookout. Wir sind froh das ohne Rücksäcke machen zu können, geht es doch auf dem Hinweg 3,5 Stunden nonstop nur bergauf, meist über Geröll, Steine und Felsen. Der Weg ist unglaublich anstrengend, aber wir sind umgeben von Gletschern und Wäldern und die Sonne scheint bei strahlend blauem Himmel auf uns hinab!

        

Als wir wieder in unserem Camp Frances ankommen sind wir schon gute 7 Stunden gewandert. Das war sooooo schön!!!! Und wir haben so ein verdammtes Glück mit dem Wetter.. Wir machen kurz Rast und holen unsere Backpacks beim Refugio ab. Ich hatte schon ein bisschen meine gesamten Sachen auf dem Rücken vermisst ;) Der Weg vom Camp Frances zum Camp Cuernos sind nur 3,5km, aber die haben es ganz schön in sich. Am Berghang müssen wir erst den ganzen Weg bis zur Lagune hinabsteigen und dann wieder zum Camp hinauf...
   

Nach 2 Nächten im Zelt haben wir uns heute Abend auf unser Domo gefreut. Eine Art Riesenzelt mit Hochbetten drin. Es sollte dort eigentlich warm drin sein und uns ein Nacht erholsamen Schlaf bieten. Aber da haben wir wohl falsch gedacht oder einfach Pech gehabt. Denn durch die Größe des Domos heizt es sich nicht auf und es gibt keine Heizung drinnen. Wir frieren mehr als in der normalen Nacht im Zelt und zusätzlich roch es streng nach Plastik.. Nie wieder Domo!!! 

Wir kochen unsere letzte Ration Pasta, so langsam wird das Gepäck immer leichter, jujuuu :) Wir haben eigentlich ganz gut gepackt, haben wir doch genug zu Essen mit, aber auch nicht zu viel.. Na ja fast... Linda hat nur irgendwie ein bisschen zu viel Trockenfrüchte und Nussmischung mitgenommen, ich habe einen 1L Zipperbeutel gepackt und Linda einen 3L. Nachdem ich das gesehen habe, bin ich echt in einen Lachanfall verfallen und musste ein paar Tränen vergiessen, so ein 3L Beutel sah irgendwie so überdimensional riesig aus #MonsterZipper Da sie es nicht alles tragen will und es doch ein bisschen viel ist, gibt es also zahlreiche Snacks mit Trockenobst tagsüber. Uns wurde beim Info-Talk der Rat gegeben, beim Wandern muss man IMMER essen, BEVOR der Hunger kommt. Wenn man erst ißt, wenn der Magen schon knurrt, ist es zu spät und ungesund wegen der körperlichen Anstrengung... Linda hält sich an den Plan, was zu recht spaßigen Unterhaltungen führt, wenn ich davon rede, hungrig zu sein und Linda im Gegenteil immer satt ist ;) Wir sind so albern, das liegt sicher an dem Schlafmangel und der Anstrengung, aber selbst Linda mit dem 3L Beutel Trockenobst auf dem Trek zu sehen hat schon ausgereicht mich in Lachanfälle zu versetzten.. Klingt wohl komisch, war aber so :)))

  

7. März - Montag

In Patagonien sagt man, man erlebe 4 Jahreszeiten an einem Tag. Wir hatten bereits Sonne und strahlend blauen Himmel, wir hatten 85km/h Sturm und herbstliches Wetter und heute haben wir das erste Mal Regen. Wir packen alles in die mitgebrachten Müllsäcke um alles ordentlich wasserdicht verpackt zu haben. Wir sind nicht mal schlecht gelaunt, dass das Wetter nicht sonnig ist, denn es ist auch ein tolles Erlebnis die heftigen Wetterumschwünge Patagoniens mitzuerleben. Und zu der heutigen Wandeung ist so ein bisschen regnerisches Wetter iirgendwie auch passend.. Wir laufen heute vom Camp Cuernos bis hoch zum Camp Chileno, dem fast nördlichsten Punkt des "W" in westlicher Richtung. Die Landschaft hat sich stark verändert, asntelle von Gletschern sind wir nun über grüne Wiesen unterwegs und erreichen ein wunderschönes Tal...

     

Wir sind froh heute Nacht wieder im Zelt unterzukommen. Wir kochen heute ausnahmsweise keine Pasta, denn die haben wir schon verputzt. Für den letzten Abend haben wir uns Insant-Kartoffelpürree und getrocknete Zweibeln und Champignons mitgebracht. Wir sind heute 20km gelaufen und auf der Packung steht "Für 4 Portionen". Also ißt jeder zwei. Es schmeckt lecker, aber als wir jeder unsere 2 Portionen aufgegessen haben, gucken wir uns an. Und nun??? Das war wie eine Vorspeise, wir wollen PASTA!!! Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie ausgehungert wir abends immer waren. (Sogar Linda trotz Trockenobst ;) Wir setzten uns ins Refugio und ich werde zu einem Glas Wein und einem Stück Kuchen eingeladen (die Leute im Refugio haben Verpflegung gebucht und es war was übrig..) Das ist ein Traum, yammieehh. Linda ißt währenddessen die teuersten Kartoffelchips ihres Lebens, aber was sollen wir machen? Die Lust auf was salziges war einfach zu groß und wir sind hungrig.. Pasta ist einfach besser, merken wir uns fürs nächste Mal ;)

Es ist noch regnerisch und wir verkriechen uns in das kleine Minizelt, das mal wieder auf hartem Holzplateu aufgebaut ist. Das wird eine kurze Nacht, denn um 4 Uhr müssen wir raus. Wir haben von hier einen 2 stündigen Aufstieg vor uns, den wir im dunkeln bewältigen müssen. Um 5 Uhr wollen wir loslaufen, um 7 Uhr zum Sonnenaufgang beim Aussichtspunkt auf die berühmten Torres sein. Immerhin ist der Park nach diesen Türmen benannt und der legendäre Sonnenaufgang bei den Türmen berühmt.. Hoffen wir nur, dass wir bei dem bedeckten Himmel überhaupt einen Sonnenaaufgang sehen werden und sich das frühe Aufstehen und der harte Aufstieg lohen werden...

8. März - Dienstag

Es ist 4 Uhr morgens und unser Wecker klingelt. Es ist eisig kalt draußen und stockdunkel. Wie sollen wir denn so nur aus dem Schlafsack kommen? Aber der strahlende Sternenhimmel draußen gibt uns die notwendige Motivation aufzubrechen. Der Himmel hat aufgeklart, keine Wolke zu sehen... das vesrpricht einen grandiosen Sonnenaufgang. Und so schaffen wir es pünktlich um 5 Uhr mit unserem Tagesgepäck den Aufstieg im dunkeln zu beginnen! Es geht steil, steil, steil bergauf und das für 2 Stunden. Während ich beim morgendlichen Aufstieg beim Fitz Roy ordentlich zu kämpfen hatte haben wir heute die Rollen getauscht. ich bin hellwach und hibbelig, voller Vorfreude und Linda ist noch nicht ganz wach und hat mit der frühen Stunde mehr zz kämpfen. Aber Aufgeben gibt es nicht, wann hat man schon die Möglichkeit den Sonnenaufgang über den Torres zu sehen?

Wir sind sooo stolz auf uns als wir pünktlich um 7 Uhr den Aussichtspunkt erreichen. Noch liegen die Türme im dunkeln, aber dann fällt das erste Licht des Tages auf die Berge. Wir setzten uns auf die großen Felsen und genießen den Anblick! Es ist bitterkalt hier oben und wir genießen unser Frühstück mit diesem atemberaubenden Anblick! Gegen 7:20 werden die Türme dann an in gelbes, orangenes und final ein unglaubliches rotes Licht getaucht.. 
   
Wir bleiben trotz Frierens dann doch ziemlich lange auf dem Aussichtspunkt und sind schließlich ganz alleine hier.. Erst um 9 Uhr machen wir uns auf den Weg zurück. Das war ein wirklich beeindruckendes Finale unserer 5-tägigen Wanderung!!!

Wir sammeln auf dem Rückweg unser Gepäck im Camp ein und machen uns auf dem Weg zum Hotel Las Torres, dem Ein-, bzw. Ausgang zum Park. Der Himmel bleibt blau und die Sonne scheint, was für ein wundervoller Tag. Wir sind dazu auch noch sooo stolz auf uns!!! Wir genießen die Landschaft nochmal in vollen Zügen...

  

Wir sind ziemlich traurig, adss die Wanderung nun zuende ist, haben wir uns doch ans Camping und Wandern mit unseren Backpacks gewöhnt und die tägliche Bewegung tat so gut! Außerdem war die Wanderung des "W" unser Urlaubshighlight und jetzt haben wir das Gefühl, unsere gemeiname Reise geht dem Ende zu...

Wir erreichen den Shuttlebus bereits um 13 Uhr und müssen dann am Busterminal noch bis 14:30 auf unseren Bus warten. Puert Natales erreichen wir gegen 17 Uhr und haben wieder unser Orga-Programm  vor uns, was auch sonst ;) Equipment zurückgeben, in den Supermarkt, umpacken, Abendessen! 

Und dann fallen wir ins Bett, man sollte meinen todmüde und erschöpft, aber eigentlich fühlen wir uns einfach nur erholt! Die Landschaft, die Natur und das Wandern haben uns einfach gut getan! Ich kann mir noch gar nicht vorstellen jemals wieder in eine hektische Großstadt zurückzukehren... Patagonien ist definitiv neben Galapagos mein Highlight Südamerikas!!!

01März
2016

Auf gehts zum Fritzchen 

28. Februar - Sonntag

Es geht mal wieder früh los, die Rucksäcke sind gepackt und wir haben einen strahlend blauen Himmel! Im Bus haben wir die Panoramasitze, oben und ganz vorne. Der Ausblick ist einfach wunderschön, wir fahren dem Bergmassiv Fitz Roy in El Chalten entgegen, unser Wanderziel für die nächsten 3 Tage, liebecoll auch von Linda "Fritzchen" genannt ;)

 


El Chalten ist ein kleines verschlafenes Nest umgeben von wunderschönen Bergen. Es ist unglaublich idyllisch hier und die Luft ist kühl und klar. Wir gehen Mittag essen und studieren nochmal die Wanderkarte von der Touri-Information. Jetzt kann es aber losgehen, nach dem ersten steilen Aufstieg gibt es den ersten Ausblick über das unter uns liegende Dorf:

   

Bereits der Weg zu unserem ersten Camp "Laguna Torres" ist einfach atemberaubend. Den ganzen Weg über ist in der Ferne das Bergmassiv im strahlend blauen Himmel, von der Sonne angestrahlt, in unserem Blick :) Wir bleiben häufiger stehen und können den schönen Anblick kaum fassen. 

   

Mittlerweile ist der erste Schreck der anstrengenden ersten Wanderung zum "Frey" im Lake District vergessen und Linda genießt das Wandern in vollen Zügen, genauso wie ich. Wir haben uns viel zu erzählen, noch mehr zu lachen und machen hin und wieder Rast und genießen die Aussicht; nur ab und zu haben wir Mühe mit dem schweren Gepäck bergauf.

Was haben wir doch für ein Glück mit dem Wetter, manchmal ist es wochenlang bedeckt und das Bergpanorama ist nicht zu sehen, in Wolken gehüllt. Und wir haben den schönsten Ausblick überhaupt...

Im Campground angekommen wird es schon ziemlich frisch draußen, erst mal Zelt aufbauen :) Und nun wird das erste Mal unser kleiner Gaskocher aufgebaut. Hier gibt es nur einen kostenfreien Campingplatz, keinerlei Refugio oder sonstige Einrichtungen. In der Nähe fließt ein Fluss mit klarem Wasser. Hier füllen wir unsere Wasserflaschen auf und holen unser Wasser zum Kochen. Es macht Spaß draußen zu kochen und zu essen und so Eins zu sein mit der Natur. Wo kann man schon direkt aus dem Fluss trinken.. Wir kochen Suppe mit Reis, herrlich sich damit aufzuwärmen :)

   

Zwar können wir den Sonnenuntergang hier nicht sehen, aber die untergehende Sonne hinterlässt ein schönes Farbspiel in den Bergen, sodass wir das langsam dunkel werdende Bergmassiv in zarten rosa und lila Tönen genießen...

 

 

29. Februar - Montag

So schön das Wandern, Zelten und draußen Kochen auch ist, irgendwie schlafen wir schlecht im Zelt. Wir haben keinen Wecker gestellt, daher ist es mal wieder viel später als eigentlich gedacht und wir kommen erst gegen 11 Uhr aus dem Zelt gekrochen. Linda trocknet bereits ihren Schlafsack in der Sonne, als ich feststelle, dass auch meiner nass geworden ist. Obwohl es nachts nicht oder nur wenig geregnet hat, ist Wasser ins Zelt gekommen, gar nicht gut..  Das letzte Mal ist uns das Überzelt weggeflogen im Sturm, jetzt ist Wasser reingekommen.. So langsam kommen die ersten Zweifel ob das Kaufen eines eigenen Zeltes so eine gute Idee war, scheint es doch den schwierigen Wetterverhältnissen Patagoniens nicht so gut standzuhalten.. Wir wir das im Torre del Paine für 5 Tage machen wollen, bleibt noch rätselhaft..

Wir kochen unser Frühstück, wieder Reis mit Suppe, und packen unsere Sachen zusammen. Wir haben wieder einen traumhaften Tag erwischt, die Sonne scheint und wir finden wieder einen strahlend blauen Himmel vor.. Unser erstes Ziel ist der Gletschersee mit dem Aussichtspunkt auf die drei Türme, daher auch unser Campground "Laguna Torres". Ich mache mich auf den Weg runter zum Wasser um mal eine Eisschorle in die Hand zu nehmen, wann kann man das schließlich schon? Schwerer als gedacht und eisig... Hier verbringen wir bestimmt 20 Minuten und staunen auf das Türkis des Wassers, die Eisschorlen und die in den blauen Himmel ragenden weißen Türme... die Natur hier ist atemberaubend schön...

   

Unser Weg heute führt entlang schöner Wälder, vieler leiner Seen und die ersten Stunden des Wanderns haben wir dieses tolle Panorama im Blick.. Aber nun kehren wir den drei Türmen den Rücken zu, denn unser heutiges Tagesziel ist der Campground des Fitz Roy.. Die Wandeung ist deutlich anstrengender als gestern, geht es doch fast den ganzen tag nur bergauf, dafür jetzt mit Blick auf das Bergmassiv des Fitz Roy in der Ferne.. Aber nach einem anstrengenden tag auf dem Trek ist das Gefühl umso besser, als wir am Ende des Tages unser Camp erreichen und stolz auf uns sind! Das Zelt ist mittlerweile in 5 Minuten aufgebaut und unsere Sachen verstaut. Der Aussichtspunkt auf den Fitz Roy ist 1,5 Stunden von hier entfernt und soll ein heftigen Aufstieg beinhalten. Es ist mittlerweile schon 19 Uhr und zu spät um das heute noch zu machen. Daher gehts nur noch bis zum Fluss um Wasser aufzufüllen und fürs Kochen. Es gibt wieder Suppe und  dannfallen früh ins Zelt, haben wir doch noch einiges an Schlafdefizit..

  

1. März - Dienstag 

Wieder sind wir nass geworden in der Nacht, das gibt es doch nicht! Das Zelt ist nicht gut, auch wenn wir es nach ein paar Nächten schon lieb gewonnen haben. Immerhin tragen wir es den ganzen Tag auf dem Rücken mit uns herum, meist bergauf.. und es ist unser einziger Unterschlupf mitten in der Natur, da kann sogar ein kleines, mieses Zelt einem ans Herz wachsen..

Wir legen die Schlafsäcke zum Trocknen nach draußen, aber heute empfängt uns leider kein strahlend blauer Himmel, es ist bedeckt und die Sonne ist nicht zu sehen.. Wir kochen (natürlich wieder Suppe...) und packen Snacks, Wertsachen und Wasser zusammen in den Turnbeutel. Die Backpacks lassen wir im Zelt, denn jetzt kommt der anstrengenste Anstieg der Wanderung! Auf zur "Laguna de los Tres", dem 1,5 Stunden steilen Aufstieg entfernten Aussichtspunkt auf "Fritzchen" :)

  
Irgendwie ist mein Körper noch im Schlafmodus und der Weg bergauf entpuppt sich alls höllisch anstrengend. Linda ist heute defintiv fitter als ich unterwegs und nach ner halben Stunde kann ich sie nicht mehr sehen. Mir ist übel und meine Beine bewegen sich kaum vorwärts, aber ich schleppe mich natürlich trotztdem immer weiter steil bergauf. Am höchsten Punkt angekommen finde ich auch Linda wieder und wir setzten uns auf die großen Felsbrocken an die Lagune. Trotz schlechten Wetterverhältnissen ist es traumhaft schön hier.. Wir machen einen zweiten Frühstücksstopp, ich muss definitiv mehr essen, Suppe mit Reis zum Frühstück ist keine ausreichende Mahlzeit.. wir lernen dazu!

   

Nach einem Apfel, Müsliriegeln, Trockenobst und Nüssen fühle ich mich wieder deutlich besser und wir fangen an, ebenfalls zu Eisbrocken zu werden. Zeit sich wieder zu bewegen und den Rückweg anzutreten. Erst beim laaaangen Abstieg wird mir richtig bewusst, was wir alle steil bergauf gelaufen sind, der Weg runter zieht sich ewig lang und die vereinzelten Leute, die uns entgegen kommen tuen mir ein bisschen Leid, sind doch alle sogar schon beim unteren Teilstück des Berges verschwitz, aus der Puste und mit hochratem Kopf unterwegs..
Zurück im Campground ist es bereits Mittagszeit. Um 18 Uhr fährt unser Bus von El Chalten wieder nach El Calafate zurück und wir haben noch einen ca. 4-Stündigen Rückweg vor uns. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit um sich auszuruhen. Zur Belohnung gibts ein Stück Schokolade, dann wird das Zelt abgebaut und wir machen uns auf den Weg..

Nach 2 Stunden erreichen wir unser erstes Etappenziel: Laguna Capri. Hier machen wir eine kurze Mittagsrast und genießen einen letzten Blick auf den etwas wolkenverhangenen Fitz Roy in der Ferne und deen glasklaren See vor uns. Der See ist so glatt und ruhig, dass sich die Berge spiegeln :)

   

Um 17 Uhr erreichen wir den letzten Aussichtspunkt dieser Wanderung, das hinter uns liegende Tal ist einfach wunderschön.. Die Farben sind herrlich, der Fluss schlängelt sich durch das Tal und wir können gar nicht glauben, dass unsere 3-Tages-Wanderung schon wieder vorbei sein sollen..

 
Wir sind rechtzeitig um 18 Uhr am Bus um wieder nach El Calafate zurückzufahren; wieder haben wir die Panoramasitze, nur dass wir jetzt dem schönen Bergmassiv den Rücken zukehren.. Dennoch haben wir einen schönen Ausblick. Wir sind doch ziemlich erschöpft und freuen uns auf das Bett heute Nacht :)

 

Warum können wir eigentlich nie ankommen und einfach mal ins Bett fallen?? Vom Busterminal gehen wir in den Outdoor-Equipment Shop und geben den Gaskocher zurück. Jetzt haben wir nur das Problem, dass wir noch was Essen müssen und kein Geld haben und noch mitsamt unseren Backpacks unterwegs sind. Wir laufen also die 15 Minuten zurück vom Zentrum zum Hostel. Der Weg war bisschen gruselig, da uns erst 2 Hunde, am Ende 7 Hunde folgen und wir ganz allein unterwegs sind, ist es doch schon 21:30 Uhr... So gern würden wir gern direkt unter die Dusche und ins Bett, aber wir haben Hunger!!! Und wir wollen was anderes als Suppe mit Reis..wir laden also unser Gepäck ab und holen die Kreditkarte. Zurück die 15 Minuten zum Geldautomaten, dann in den Supermarkt (morgen fahren wir immerhin 7 Stunden Bus und da wollen wir schließlich Proviant mitnehmen..) und schließlich finden wir uns 22:30 im Restaurant ein, das wird ja immer später ;)

Und ihr ahnt sicher was jetzt kommt, oder? Genau, PACKEN! Denn die Rucksäcke ware schließlich fürs wandern gepackt und morgen müssen wir mitsamt allem Gepäck weiterreisen, also wird wieder umgepackt. Aber immerhin sind wir jetzt deutlich schneller damit:)

Gegen 1 Uhr nachts schlafen wir dann endlich.. Wann wir wiede raus müssen? Unser Bus geht um 7:30, also 7 Uhr loslaufen,.. Der Wecker steht also auf 5:45,... Schön dass wir uns so erholen ;) Aber egal wie anstrengend alles auch ist, die wunderschöne Natur beim Wandern entschädigt alles! Und so schlafen wir mit wunderschönen Eindrücken der letzten Tage ein...

27Februar
2016

Ice-Trekking at Porito Moreno Glacier

26. Februar - Freitag

Die Erleichterung ist riesig als unser Flieger von Aerolinas Argentinas sanft in El Calafate auf dem Boden aufsetzt! Ich hatte einen turbulenten Flug erwartet und zur Überraschung einen ruhigen Flug bekommen, besser als andersrum :) Es ist zwar schade, dass wir keine Zeit haben auf dem Weg von Bariloche nach El Calafate etwas anzugucken, aber bei einem 2,5 stündigen Flug anstelle 30 Stunden Busfahrt, haben wir wohl die richtige Entscheidung getroffen. Es ist mittlerweile früher Nachmittag und wir fahren mit dem Shuttle-Service in den kleinen Ort. Durch Empfehlungen anderer Backpacker in Bariloche haben wir ein günstiges Hostel nicht weit außerhalb des Zentrums und wir werden direkt vor der Tür rausgelassen. 

Die guten Reviews behalten recht, denn der Mann an der Rezeption ist äußerst freundlich und hilfsbereit und die Zimmer warm und gemütlich. Aber bevor wir uns ausruhen können, ist erst mal wieder Orga-Kram angesagt. Wir buchen für morgen einen Tagesausflug zum Porito Moreno Gletscher, dem größten Gletscher außerhalb der Arktis! Und da wir nicht nur aus der Ferne gucken wollen, buchen wir gleich eine Trekking-Tour auf dem Eis! Das haben wir beide noch nie gemacht und sind schon unglaublich gespannt.

Und jetzt kommt wohl der nervigste Nachmittag meiner gesamten Reise! Wir hätten es besser wissen müssen, aber das hätte wohl auch nichts geändert, denn vorher hatten wir keine Zeit dafür.. Wir müssen die Campgrounds für unsere 5-tägige-Trekkingtour im Nationalpark Torre del Paine in Chile buchen. Es ist immer noch Hauptsaison und die Plätze sind begrenzt. Wir gehen die Tour nochmal im Reiseführer durch und lesen die Tipps, die wir aufgeschrieben bekommen haben. Die Campingplätze und Daten, wann wir wandern wollen müssen wir nun auch festlegen, also machen wir einen Plan für die gesamte Zeit bis Ankunft in Ushuaia. Es gibt 2 verschiedene Anbieter und das Buchungssytem verlangt eine Zahlung über Paypal. Das Internet ist sehr sehr langsam, wir hatten ja befürchtet, dass im Süden Patagoniens das Internet schlechter wird, aber das war schon eine harte Geduldsprobe! Erst die Planung, dann Anmeldung Paypal und dann Buchung der Campgrounds. Wir kommen immer genau so weit, dass ich die Zahlungsinformationen eintragen kann, dann kommt "Seite kann nicht geladen werden". Wir haben noch nicht mal Mittag gegessen und sind so langsam am Ende unserer Nerven. Die Angst, dass das, was wir buchen wollen im nächsten Augenbick ausgebucht ist, ist groß. Da das anstrengende Wandertage werden, wollen wir in der dritten Nacht statt dem Campingplatz eine Nacht im Refugio buchen, damit man zumindest eine der Nächte auch ordentlich Schlaf bekommt und als wir nach 3 oder vielleicht schon 4 Stunden des Versuchens dann feststellen, dass das Refugio nun nicht mehr verfügbar ist, geben wir auf. Vielleicht finden wir ja eine Reiseagentur, die für uns bucht oder ein Internetcafe. Wir machen uns also auf den Weg in die Stadt und in der dritten Agentur hilft uns jemand! Zwar können die Campingplätze nicht von einer Reiseagentur gebucht werden, aber der nette Herr überlässt uns einfach für 10 Minuten seinen Computer und wir buchen in aller Eile alles nötige! Das war echt unserer Rettung, ein Glück war der Mann so hilfsbereit und hatte grad nix am Computer zu arbeiten. Wir sind erleichtert, zumindest die 5 Tage Trekking im Torre del Painne ist nun gesichert, zwar ohne Nacht im Refugio, dafür in einem Domo, einem Art Riesenzelt mit Hochbetten drin, immerhin...

Jetzt wo das gebucht ist machen wir uns auf um Camping-Epuiment für unsere 3-Tages-Wanderung bei El Chalten zu leihen oder zu kaufen. Nach einiger Kalkulation entscheiden wir uns, dass wir einen Gaskocher leihen werden, Kopf und Geschirr im Supermarkt kaufen. Uns raucht der Kopf, für morgen Abend bleibt noch einiges zu organisieren, aber jetzt wissen wir zumindest was wir noch brauchen und wo wir es bekommen. 

Nun wird es endlich Zeit für den entspannteren Teil des Abends und wir gehen was essen, ganz nach argentinischer Zeit um 22 Uhr... viel zu spät für uns, aber was soll man machen #urlaubsstress

 


27. Februar - Samstag

Heute ist ein großer Tag, eins der Natur-Highlights überhaupt erwartet uns heute: Porito Moreno Glaciar! Wir haben uns warm angezogen inclusive Skiunterwäsche, denn heute geht es aufs Eis! Bereits um 8 Uhr morgens werden wir von unserer Tour abgeholt uns fahren zu den Aussichtsplattformen. Hier haben wir 2 Stunden Zeit die unglaubliche Weite des Gletschers von oben zu sehen und auf den unteren Plattformen nah ans Geschehen ranzukommen. Welches Geschehen ich meine? Das Kalben des Gletschers, alle 20 bis 30 Minuten hören wir wie riesige Eisbrocken abbrechen, wir beobachten gespannt wie sie mit lautem Wiederhall in den Gletschersee krachen. Allein kleinste Eisbrocken erzeugen schon einen unglaublichen Knall und wir fühlen uns klein in nächster Nähe dieses großartigen Naturschauspiels!

   

Die 2 Stunden gehen unglaublich schnell um, konnten wir uns doch kaum satt sehen an den Ausmaßen des Gletschers. Aber wir müssen uns ja noch nicht verabschieden, denn jetzt fahren wir eine halbe Stunde mit dem Boot an den Gletscher heran. Wir haben eine neue Perspektive auf den Gletscher, insbesondere von dem Punkt, an dem wir mit dem Boot ankommen, haben wir einen einmalig schönen Blick. Die Sonne funkelt im Eis und große Eisbrocken schwimmen im Gletschersee. Das Grün des Waldes, das Türkis des Sees, das glitzernde Weiß des endlosen Eis und der blaue Himmel ergeben ein farbintensives Bild, das wohl Linda und mir für immer im Gedächnis bleiben wird...

     

So langsam steigt die Aufregung, wir bekommen Steigeisen unter unsere Schuhe geschnallt. Nach einer kurzen Einweisung, wie wir damit am sichersten bergauf und bergab laufen, geht es los: wir marschieren hinauf ins ewige Eis. Linda und ich sind begeistert, es macht irre viel Spaß auf dem Eis zu wandern und wir kommen immer weiter hinein, ein unglaubliches Gefühl. Wir haben soviel Spaß, dass es uns nicht mal anstrengend vorkommt.. An einigen Stellen machen wir Halt, denn es sind Wasserfälle, Gletscherlöcher und Höhlen zu sehen, die das unglaublich farbintensive Türkis des Gletschers offenbaren...

       

Insgesamt verbringe wir 2 Stunden auf dem Eis, gekrönt wird unser Erlebnis von einem Whisky, den wir eisgekühlt mit Gletschereis genießen :) Wann hat man schon die Möglichkeit auf dem größten Gletscher außerhalb der Arktis zu stehen und Whisky mit Porito-Moreno-Eis zu trinken :)

   

Mit Boot und Bus fahren wir zurück nach El Calafate; das war ein unglaublich toller Tag voller neuer Erlebnisse und Erfahrungen und ich bin froh dies mit Linda teilen zu können!

Zurück im Hostel bleibt jedoch keine Zeit die Ereignisse des Tages sacken zu lassen und einfach mal nur auszuruhen.. Morgen früh geht es mit dem Bus nach El Chalten zu einer 3-tägigen Wanderung und da wir dort nur zelten und kein Hostel haben werden, muss der Rucksack für die Campingtour gepackt werden.

Wir leihen im Outdoor-Laden einen Gaskocher, kaufen im Supermarkt einen kleinen Topf und Verpflegung für 3 Tage, kaufen Bustickets für El Chalten und unsere Ziele im Süden, heben Geld ab und gehen schließlich wieder viel viel zu spät Abendessen.. Zurück im Hostel beginnt dann die übliche Packaction, so langsam bekommen wir Routine :) Gegen Mitternacht fallen wir schließlich erschöpft ins Bett, das war definitiv einer der eindrucksvollsten Tage meiner Reise ... 

25Februar
2016

Pampa Linda

25. Februar - Donnerstag

Als Linda den ersten Tag in Buenos Aires ankam, hatte sie einen Reiseführer mitgebracht, eher gesagt einen Wanderführer. Ich habe ihn aufgeblättert für das erste Gebiet in das war reisen: Lake District, Bariloche! Ausgangspunkt der Wanderungen: Pampa Linda! Ich konnte meinen Augen kaum trauen, steht da doch tatsächlich Pampa Linda! Ich weiß ja, dass "Pampa" hier die argentinische Graslandschaft ist und "Linda" aus dem portugisischen kommt und "schön" bedeutet, dennoch kann ich mich vor Lachen kaum halten und vergieße ein paar Tränen bei meinem Lachanfall :) Und heute ist es nun soweit: im Nahuel Huapi Nationalpark wandern wir zum "Manso and Black Glaciars", einem so genannten schwarzen Gletscher und Ausgangspunkt ist Pampa Linda. Es ist überall präsent, es steht vorne auf den Linienbussen und wir laufen an einigen Schildern vorbei, die Gelegenheit für das passende Foto lassen wir uns natürlich nicht entgehen :)


Im Vergleich zu den letzten zwei Tagen auf dem Trek zum Frey sind wir heute trotz Muskelkater ganz vorne mit dabei und wir machen Scherze, dass wir ja gar nicht wandern, sondern nur spazieren gehen... #welovewalking wird zu unserem neuen Leitspruch des Urlaubs :) Ab jetzt ist alles nur noch ein Spaziergang, denn wir sind ja #likeaprofitrekker unterwegs :) Wer jetzt denkt, was sollen immer diese komischen Hashtags? Entstanden ist das in Brasilien mit Marita, Moritz und Stefan. Ich bin absolut kein Fan von Hashtags und habe mich so darüber ausgelassen, dass wir seitdem in Hashtags gesprochen haben, eigentlich war das immer sarkastisch gemeint, wurde dann aber immer lustiger! (#likealocal; #alsschisserumdiewelt) Das hat sich nunmal jetzt verselbständigt und da man beim wandern einfach viel Zeit hat rumzualbern und Blödsinn zu reden, gibt es diese Reise auch so einige in Erinnerung gebliebene Hashtags..

Nach 2 Stunden "Spaziergang" durch die Pampa Linda erreichen wir unser Tagesziel: einen oben auf einem schwarzen Felsen befindlichen Gletscher mit wunderschönen Wasserfällen! Es ist unglaublich schön anzusehen! Wir setzten uns auf die großen Steine und machen unsere Mittagspause. Unsere Aussage "das sieht hier ja alles aus wie in der Schweiz" verstummt das erste Mal, denn Landschaftlich ist dies sicher einmalig, sowas haben wir noch nicht gesehen!

  

Wir machen uns wieder auf den Rückweg zum Bus und fahren nun noch zu einem Aussichtspunkt, um den Gletschersee und den Gletscher an sich von einer anderen Seite zu sehen.

  

Die Landschaft ist wirklich unglaublich, besonders das Türkis der Gletscher-Lagune ist einmalig, als hätte jemand die Landschaft gemalt!

Und so geht unsere Zeit im Norden Patagoniens im Lake District schon wieder dem Ende zu. Wir kommen gegen 19 Uhr wieder in Bariloche an und treffen auf Lucas aus Buneos Aires! Die Welt ist wie immer klein, und da wir die gleiche Reiseroute haben, verabschieden wir uns auch nicht, sondern sagen nur "bis bald", auf dem "W-Trek"; im Torre del Paine in Chile läuft man sich sicher noch über den Weg... Und nun beginnt der übliche Pack- und Einkaufs-Wahnsinn, denn morgen früh fliegen wir nach El Calafate. Da es zu einer der windigsten Regionen der Welt gehört (wir haben gehört dass dort neulich sogar ein Bus umgefallen ist...) und es bereits hier in Bariloche äußerst stürmisch ist, mache ich mir Sorgen um den Flug.. Aber mit dem Bus wären das ganze 30!!! Stunden, da ein Teil der Straßen sogar unasphaltiert ist. Hätten wir mehr Zeit, würden wir mit dem Bus gen Süden gondeln und bei ein paar kleineren Ortschaften anhalten, aber dafür ist leider die Zeit zu knapp, wenn wir die geplanten Wanderungen machen wollen. Also wieder Zeit für mein Lieblingsverkehrsmittel: auf zum Flughafen!

24Februar
2016

We did´t know what we will be doing

22. Februar - Montag

Was haben wir uns nur dabei gedacht von Buenos Aires nach Barioche und dann bis runter nach Ushuaia in 3 Wochen zu wollen? Ach ne, wir sind ja schon 3 Tage in Buenos Aires, bleiben also noch 18 Tage! Wie wenig Zeit das wirklich ist, erfahren wir aber eigentlich erst während wir uns von A nach B bewegen wollen.. #monsterreise Wir haben uns zu viel vorgenommen, zwischen Buenos Aires und Bariloche liegen bereits 1.342km (Luftline!), zwischen Bariloche und Ushuaia nochmals 1.523km (wieder nur Luftlinie...)

Wie wir das nun bewäligen wollen? Indem wir mein neustes Lieblingsverkehrsmittel nutzen: auf gehts zum domestic Airport! Der Flug dauert nur knappe 2 Stunden (der Bus dauert 23Stunden...) und wir sind schlappe 180€ ärmer, das ist ein teures Land und gen Süden wird es immer teurer...


Wir haben die Information von der Homepage des Hostels, dass das Taxi vom Flughafen nach Bariloche Innenstadt 50 Pesos kosten sollte, jetzt wollen uns die Taxifahrer aber 150 abknöpfen. Nach heißer Debatte und dem Weg zum Shuttleservice erfahren wir dann, dass wir im Urecht sind, die Information im Internet war wohl veraltet, mittlerweile zahlt man hier sogar schon umgerechnet 10€ für das Taxi und da wir zu zweit sind ist es sogar günstiger als das shuttle zu zahlen..

Der Wetterumschwung ist zwar noch nicht riesig zu Buenos Aires, immerhin sind hier auch noch gute 24 Grad, aber es ist nicht mehr so tropisch heiß und stickig, sondern reine Luft und es weht eine angenehme Brise.. Als wir beim Hostel ankommen, geht es hoch in den 10.Stock und uns begrüßt ein herrlicher Ausblick von der Dachterasse auf den See und die umgebenden Berge! 


Während es mir wie immer nach dem Fliegen geht (juhuu ich habe überlebt!) und ich mich kaum zusammenreißen kann nicht sofort loszuwandern, ist Linda ziemlich platt. Der Jetleg, die Tage in Buenos Aires inclusive feiern gehen, der Inlandsflug so kurz nach dem anstrengenden Langstreckenflug und der insgesamte Schlafmangel, ganz schön anstrengend so eine Reise, wenn man zu viel in kurzer Zeit vorhat. Aber wir sind ja immernoch im Urlaub, also legt sich Linda kurz hin und ich fange schon mal mit der Planung der nächsten Tage an. Wichtiger Punkt ist immerhin noch, wie viel Zeit haben wir hier im Norden? Wir befinden uns in Bariloche im Norden Patagoniens im Lake District. Es soll hier zwar wunderschön sein, aber bisher haben wir von allen Reisenden gehört, dass es je weiter wir in den Süden kommen, immer besser wird.. also lieber nicht zu lange hierbleiben...

Ich habe schon den Masterplan für den Nachmittag: zuerst im vegetarischen Cafe um die Ecke Mittag essen, dann Geld holen, die Busfahrkarte aufladen, zur "Mountain Information" uns über die beste Wanderung informieren, dann runteer zum Wasser und die Aussicht auf die Berge genießen und schließlich im Supermarkt das notwenige Proviant einkaufen. Danach zurück ins Hostel und den Rucksack für morgen packen. Und falls dann noch Zeit bleibt: schlafen ;)

Beim ersten Spaziergang durch den Ort müssen Linda und ich immer wieder nur betonen, wie sehr alles einem Skiort in der Schweiz oder Österreich ähnelt. Alles ist aus Holz und die Restaurants sind urig und sehen gemütlich aus, die Bars sehen aus als wäre dort demnächst Apre Ski angesagt und ich erwarte überall die Ablagefläche für Skier und Stöcke vorm Restaurant aufzufinden #willkommeninderschweiz



Nachdem wir uns im vegetarischen Cafe gestärkt haben, geht es zur Mountain Information: Wir haben uns für den Anfang eine leichte Tour für 2 Tage rausgesucht. Wir wandern zu einem beliebten Ausflugsziel für Kletterer, dem Frey! 11km hin und auf einem anderen Weg zurück, quasi ein perfekter Start um ins wandern und camping reinzukommen! Außerdem die perfekte Gelegenheit unser Zelt auszuprobieren :)

   

Im Supermarkt geht es dann mit den Fragen los: was nehem wir als Proviant mit, was ist einfach zu kochen und gleichzetig leicht? Was werden wir als Snacks für zwischendurch brauchen und was gibts zum Frühstück und Mittag? Da Linda glutenfrei essen muss, ist es nicht so einfach das richtige einzukaufen, immerhin besteht hier alles nur aus Weizen, Fett und Zucker #missingveggies

Es ist vielleicht nicht ganz korrekt was die großen Städte angeht, wie Buenos Aires, aber in ganz Patagonien konnte man im Supermarkt eigentlich kein Gemüse und Obst kaufen. Alles war matschig, gammlig oder beides! Als Besipiel: die Wassermelone lag auf den Tomaten...

Aber viel Frisches ist auf Wanderung eh schwer mitzunehmen, also packen wir Tütensuppe, Reis und Möhren für das Abendessen ein, Toast, Käse und Osaft zum Frühstück und einen Apfel und Müsliriegel für zwischendurch. Zurück im Hostel beginnt dann die packaction (und nicht die letzte...)

Ein Glück will noch niemand schlafen gehen, denn wir müssen alles auspacken und wieder einpacken! Zelt und Isomatte werden außen am Rucksack befestigt, alles andere wird innen verstaut. Linda ist der festen Überzeugung alles in den kleinen Tagesrucksack quetschen zu können und ist sogar erfolgreich, ich hatte dagegen gewettet. Aber der is dann so voll und schwer, dass sie doch noch auf den großen Backpack umschwenkt, der hat einfach das bessere Tragesystem, das die Schultern entlastet; außerdem lassen sich Zelt und Isomatte am kleinen Rucksack schwierig außen befestigen.. also nochmal umpacken.. 

Wir sind ganz in unser Packen und Umpacken verteift, all unser Hab und Gut ist auf dem Boden und Bett verteilt.. Das ist schon mal eine gute Übung für unser Reisehighlight: 5 Tage Trekken im Nationalpark Torre del Paine in Chile! Und während wir uns vorbereiten kommt einer unserer Zimmergenossen herein, ein erfahrener Backpacker und Wanderexperte aus Australien! Wir unterhalten uns über die Wanderausrüstung und was wir so vorhaben. Da er mit seiner Freundin gerade die Route "W" in Chile abgelaufen ist und wir genau das noch vorhaben, bekommen wir all seine begeisterten Informationen und Empfehlungen! Ich denke, er weiß gar nicht, dass er uns damit wahrscheinlich die halbe Reise gerettet hat, denn er hat so unglaublich viele hilfreiche Tipps für uns, was die 5-tägige Trekkingtour im Süden Patagoniens angeht, dass Linda und ich nach dem ca. einstündigen Gespräch ganz platt sind von den ganzen Infos.. (Welches Equipment braucht man bei 5 Tagen, was nimmt man an Essen mit, welche Tour läuft man am besten ab und in welche Richtung, wo reserviert man die Campgrounds und wo sollte man überhaupt schlafen, wie viele Kilometer sollte man pro Tag planen, wo ist der Sonnenaufgang am besten und um wie viel Uhr muss man dann beim Campground los, welche Kleidung ist für den Süden Chiles angemessen, wie kalt wird es nachts, braucht man Wanderstöcker und vieles vieles mehr...) Glücklicherweise bietet er mir noch an, dass er mir die grobe Reiseroute ins Ipad eintippen kann, das nehmen wir doch äußerst gerne an! Nicht dass wir uns noch nicht informiert haben, aber so eine Wanderung habe ich noch nie ohne Guide und feste Unterkunft gemacht und Linda war noch nie wandern.. daher sind wir über alle Hinweise und Tipps dankbar!

Linda war noch nie wandern? Das war mir gar nicht bewusst, das ist ja eigentlich witzig, dass wir einen ganzen Wanderurlaub machen und Linda ja eigentlich noch nicht mal weiß, ob sie gerne wandern geht :) So ganz war uns das einfach nicht bewusst h,aben wir doch einfach immer nur von der traumhaften Landschaft gelesen und beschlossen hinzufahhren. Die Details, dass wir wandern gehen sollten, kam dann erst nach und nach. Aber einen schöneren Fleck Erde um das Wandern anzufangen wird es wohl auch kaum geben.. na ja vlt Neuseeland...

Mittlerweile schlafen schon alle und Linda und ich verstauen die letzten Dinge im Rucksack! Fertig, morgen früh kann es losgehen!


23. Februar - Dienstag


Mit dem Bus fahren wir in den Nationalpark, im kleinen Ort Cetedral steigen wir aus, unser Ausgangspunkt für die erste Wanderung. Hier sieht wieder alles aus, wie in einem Skiort! In der Ferne ist sogar ein Skilift zu sehen.. Und jetzt beginnt die erste Wanderung in Lindas Leben, gut dass wir uns für den Anfang etwas einfaches ausgesucht haben #falschgedacht ;)

 

Der Weg geht eigentlich meist bergan oder auch mal zum entspannen kurze Strecken eben. Die erste Stunde haben wir einen herrlichen Blick auf die Lagune; je weiter wir hochsteigen, desto besser ist unser Blick.

   

Der Weg wird anspruchsvoller je weiter wir kommen. An 2 Punkten finden wir sogar den Weg erst nicht und das ungewohnt große und schwere Gepäck macht das ganze auch nicht gerade einfacher. Bei ein paar Stellen müssen wir richtig Felsen hochklettern und am Abhang vorbei. Mit den großen Rucksäcken ist es viel schwerer Balance zu halten. An einer waghalsigen Stelle schiebt sich Linda mal eben mit dem Rucksack nach vorne gelehnt an einem großen Felsen vorbei, der Abgrund direkt hinter ihr. Ich kanns gar nicht fassen, wie sie da rüber gekommen ist und nehme einen anderen Weg, der mir sicherer vorkommt, völlig erstaunt nenne ich Linda den restlichen Tag nur noch Kletteraffe. Wir beschließen, dass Linda schon nach dem ersten halben Wandertag keine Anfängerin mehr ist #likeaprofitrekker

Der Wanderweg geht durch wunderschöne Wälder und an herrlich klaren Flüssen vorbei, wo ich das erste Mal mein Wasser nachfülle! Ist das wunderbar in so reiner Natur zu sein, dass man direkt aus dem Fluss trinken kann. Ein paar Mal machen wir Rast und genießen die Stille der Natur und die klare Luft.

   

Die Frau in der "Mountain Information" hat uns den Wanderweg für 2 Tage vorgeschlagen, als wir nach einem Anfängertrail gefragt haben. Wie wir jedoch später herausfinden ist der Trail rot, also medium. Das ist bei der Kategorisierung der Wanderwege in Argentinien schon nicht ohne und besonders fürs erste Wandern mit Gepäck eine echte Herausforderung. Wir laufen insgesamt ca 11 Kilometer, davon aber die meiste Zeit berauf und teilweise geht es steil vorwärts über Steine, Geröll, umgefallenen Bäume und hüfthohe Felsen. Besonders die letzte Stunde ist der Kracher! Ich finde den Weg schon sehr anspruchsvoll und für die erste Wandertour ziemlich hart. Ich bin auf meiner Reise jetzt schon ein paar Mal gewandert und ich muss sagen, meine Kondition hat sich durchaus schon viel verbessert. Ich genieße die Aussicht und die unglaubliche Natur und das wandern fällt mir sogar mit dem großen Rucksack verhältnismäßig leicht. Linda findt den Aufstieg dagegen nicht ganz so spaßig und ich mache mir bisschen Sorgen, hatte sie doch den ganzen Tag keinen Hunger (kein gutes Zeichen, ich könnt beim wandern die ganze Zeit essen...) Doch Aufgeben gibts nicht, wir kämpfen uns den Weg ach oben! 

Tage später lese ich auf Facebook den Kommentar einer anderen Backpackerin auf dem Wanderweg Torre del Paine "We did´t know what we will be doing" und als ich den Spruch Linda vorlese ist sie hellhörig "Genau das ist der Leitspruch unseres Urlaubs!" Es passt einfach perfekt, wussten wir doch am Anfang bei der Reiseplanung nicht, dass wir am Ende mit vollem Gepäck in Patagonien Berge besteigen werden. Es ist anstrengender als erwartet, so viel muss organisiert, durchdacht und gepackt werden. Die Natur ist natürlich einmalig schön und entschuldigt jede Anstrengung und Planungsaufwand,... dennoch hatten wir das sicher so nie erwartet.. Wir machen Wander- und Campingurlaub! In unserem Fall ist das ja schon #survivalcamping ;)

Ich bin hellauf begeistert als wir in der Entfernung dann das Refugio sehen und den für uns bestimmten Campingplatz direkt an der Lagune! Der Blick auf den See und das Bergmassiv im Hintergrund lässt mir wieder die Gewissheit geben, warum ich so gerne wandere! Es ist einfach einmalig, das Gefühl, nach einem langen Tag oben anzukommen und sich an einem wundervollen Fleckchen Erde auszuruhen, den man nur mit eigener Kraft erreichen konnte! Nur wer wandert und den ansttrengenden Aufstieg auf sich nimmt, darf das hier genießen, niemand sonst! Auf dem Berg Frey ist gerade eine Klettergruppe angekommen und wir sehen die kleinen Menschen mitten im steilen Berg, unfassbar und ich kann den Blick kaum abwenden. Linda ist nun in den Sarkasmus gewechselt und meinte, das wäre ihr zu langweilig da auch noch hochzuklettern, das macht sie lieber nachts im dunkeln ganz allein ;)

Zumindest redet sie wieder, denke ich, denn beim Aufsteig habe ich auf meine Fragen- ob alles ok sei - nur noch Schnaufen gehört ;) Wir setzten uns auf die Steine mit Blick auf den See und genießen den Anblick und, wie wundervoll die Sonne im türkisfarbenen Wasser glitzert. Und wir sind froh uns endlich hinzusetzte, angekommen!!! :)

   

Es wird Zeit unser Zelt auszupacken. Vom Modell ist es das gleiche, dass ich mit Marita letztes Jahr mit auf Radtour hatte. Es ist in 3 Schritten aufgebaut und mega winzig. Aber mehr hatten wir ja auch kaum erwartet, wenn es so günstig ist und dabei nur 2kg wiegt. Hauptsache es hält uns warm und dem patagonischen Wind stand. Ein Glück ist es so windstill hier. Dennoch sind überall Schutzmauern aus Stein aufgebaut und wir bauen das Zelt natürlich auch etwas geschützt auf. Da der Boden so felsig ist können wir die Heringe nicht verwenden, sondern beschweren die Schlaufen mit Steinen. Wir sind stolz, als das Zelt steht und bekommen dann dieses wundervolle Foto von uns :)


Es wird dunkel und ich bin hungrig und Linda muss auch mal was essen. Wir kochen Suppe mit Reis und Möhren im Refugio. Für die Küchennutzung muss man extra zahlen, der Campingplaz ist dafür aber umsonst; für die nächsten Ausflüge werden wir dann zusätzlich einen Campingkocher und Topf mitnehmen um das zu sparen (juhuu noch mehr Gepäck!) Außerdem gibt es ja auch nicht überall Refugios zur Nutzung und wir wollen unabhängig sein..


Es ist eisig kalt draußen und wir sehen einen riesigen Mond am Himmel, der fast die Taschenlampen überflüssig macht. Im Zelt frieren wir und finden kaum Schlaf. Mitten in der Nacht sucht uns dann ein heftiger Sturm heim, damit hatten wir nun gar nicht gerechnet, so windstill es beim Zeltaufbau war. Wir haben das Überzelt wohl nicht gut genug festgemacht mit zu kleinen Steinen, die der Sturm nun verweht hat. Irgendwann ist es dann so schlimm, dass bei einer heftigen Böe das ganze Überzelt abhebt und scheinbar nur an den zwei langen Seilen auf der jeweiligen Zeltseite im Wind weht. Es bleibt nix anderes übrig, ich muss raus! Ich schlüpfe in alle Klamotten die ich auftreiben kann und in die Wanderschuhe und stelle mich dem Wind. Es ist noch stockdunkel, nur ganz in der Ferne am Horizont ist ein zartes Licht zu erkennen, es sieht raumhaft aus! Aber es bleibt keine Zeit sowas zu genießen, es ist einfach zu eisig und der Wind hat eine unglaubliche Kraft, man kann die Böen in den Bergen sogar kommen hören! Ich befestige mit eisgekühlten und fast tauben Fingern die Schlaufen an größeren Steinen und trage noch mal größere Steine zum Beschweren her. Das sollte nun erst mal halten, hoffe ich zumindest! Der Vorteil vom Ausflug nach draußen ist zumindest, dass mir im Zelt erst mal warm ist. Mit allen Klamotten schlüpfe ich zurück in den Schlafsack und höre noch ein paar Stunden dem Wind zu, bis ich in den frühen Morgenstunden in einen tiefen Schlaf falle.


24. Februar - Mittwoch


Die Nacht hat sich bemerkbar gemacht, denn wir wachen erst um 11 Uhr wieder auf. Als ich aus dem Zelt krieche sind die meisten Zelte im Hang schon verschwunden. Gut, dass wir noch am Asprobieren sind, so lange können wir bei anderen Trekkingausflügen ja nicht schlafen und nach so einer Nacht einen anstrengenden Weg zu laufen ist schon hart. Wir haben aber heute den leichteren Teil, meist geht es ja bergab und wir werden für die 13km Rückweg nicht sooo viel Zeit brauchen, daher haben wir Zeit fürs Frühstück. Im Refugio wärmen wir uns bei einem Becher Tee auf und essen unser Brot. Wir setzten uns nochmal auf die Steine mit Blick auf die Lagune und bewundern die erneute Klettergruppe, die sich auf macht zur Spitze des Frey! Es wird nun aber auch für uns Zeit aufzubrechen, wir packen das Zelt zusammen und machen uns auf den Rückweg. Das steile Stück ist auch bergab sehr anspruchsvoll und anstrengend, aber als wir das Geröll und die Felsen hinter uns lassen und in den Wald einkehren ist der Weg sanft abfallend und wir genießen das Wandern :) Linda merkt an,  dass leichtes bergabwandern genau Ihr Ding ist #LindasTerrain ;)

Nach den ersten 3 Stunden will ich noch einen Abstecher zum Strand machen, das sind 2km Umweg, bei dem ich denke, dass er sich lohnen wird. Es ist ein Strand direkt an der Lagune und bestimmt ein hübsches Fleckchen um den Mittagsstopp einzulegen. Der Weg zur Lagune geht durch den Wald und bergab, bergab, bergab.. Und es hat sich sehr gelohnt, der Strand an der Lagune ist wunderschön, wir setzten uns auf unsere Isomatten und essen unsere mitgebrachte Snacks (der Rucksack wird auch immer leichter :)

   

Der Rückweg von der Lagune geht jetzt natürlich nur bergauf, bergauf, bergauf und ist ziemlich anstrengend, insbesonder da sich der Muskelkater beim bergauflaufen deutlich bemerkbar macht... und ich frage mich, wie sehr mich Linda wohl gerade für diesen "nur 2km" Umweg verflucht ;)

Wir kommen wieder zur Weggabelung und finden den Weg zurück. Auf dem letzten Abschnitt liegt noch ein Wasserfall, dieses mal nur mit 200m Umweg, das schaffen wir auch noch!.. Uns so machen wir noch eine kurze Rast am Wasserfall. Von hier aus soll es laut Karte weitere 2km entlang der Asphaltstrasse gehen, bis wir zum Busterminal kommen. Dann heißt es wohl auf den Bus warten und in über einer Stunde wieder zurück nach Bariloche fahren. Aber wir haben Glück und es kommt anders: wir checken auf dem Parkplatz die einsteigenden Leute und ganz in unserer Nähe ist ein Ehepaar mit zwei kleinen Kindern, die gerade das Auto beladen. Ich frage ganz vorsichtig, ob sie uns nicht bis zum Busterminal mitnehmen können, auf 2 weitere Kilometer entlang der Straße habe ich keine Lust..  Und wir haben das große Los gezogen: statt bis zur Bushaltestelle werden wir bis nach Bariloche mitgenommen! 

Wir werden an der falschen Seite des Ortes rausgelassen, aber immerhin, das hat Zeit gespart und war ein äußerst bequemer Rückweg! Wir schlurfen dann nur noch durch den Ort und kehren auf dem Heimweg in den Supermarkt ein, bloß keine Umwege oder doppelte Wege mehr laufen, die Fußsohlen brennen mir vom langen Weg bergab heute! Wir laufen schon ganz merkwürdig und schwanken, wir brechen schon in Gelächter aus, weil wir uns kaum noch richtig bewegen können und sicher aussehen als wären wir betrunken! Ich jammere, dass mir die Füße wehtun, Linda sagt gar nicht mehr, welche Körperteile wehtun, es geht wohl schneller zu berichten, was nicht wehtut: der Bauch! ;) Ich merke an, dass mir sogar der Bauch wehtut, weil ich vor lauter Lachen die letzte Tage auch den Bauch trainiert habe, wir haben einfach immer viel zu lachen, trotz Anstrengung :) 

Wir ahaben Hunger, daher schleppen wir uns mitsamt dem riesigen Backpack in den Supermarkt. Normalerweise darf man keine Taschen mit reinnehmen und muss den Rucksack im Schließfach am Eingang lassen, beim Anblick unserer umgeschnallten Monster sagt der Security Typ aber nichts, entweder er ist fassungslos, dass wir SO! in einen Supermarkt eintreten, oder es liegt daran, dass die Backpacks eh niemals ins Schließfach gepasst hätten.. ich befürchte nur schon eine immense Rechnung für die Dinge, die wir beim Drehen und Wenden alle vom Regal reißen, aber es geht alles gut :)

Bepackt mit der allgegenwärtig hochgepriesenen Wassermelone (rettet uns vorm Austrocknen, in anstrengenden Momenten wurde sogar schon von ihr halluziniert), und weiteren Snacks für morgen (denn da steht eine geführte Wandertour an) gehts ab zum Hostel.

Und es geht schon wieder los... und was? Die packaction natürlich. Glaub diese Reise haben wir die Worte "Monster" und "Packen" so häufig benutz, dass man sagen könnte, wir waren auf einer Monster-Pack-Reise... Der große Rucksack muss ausgepackt werden, der kleine aber auch, denn der muss ja für morgen neu gepackt werden... also packen wir erst mal ALLES aus, wir beschlagnahmen wieder das ganze Zimmer.. nachdem wieder alles im großen Rucksack steckt und der kleine inclusive Snacks für morgen bereit steht ist es Zeit fürs Abendssen. Lisa aus Buneos Aires ist heute hier im Hostel angekommen und wir gehen gemeinsam Essen. Wir sind aber so erledigt, dass wir nicht ewig bleiben, das Hostelbett sieht zu verlockend aus, wir brauchen erholsamen Schlaf im Warmen und ohne Sturm:) Und dazu kommt, dass es morgen zeitig rausgeht, denn wir haben einen großen Tag vor uns. Was wir vorhaben? Ist doch klar: wandern! :)
21Februar
2016

Sightseeing, Geburtstagsparty, Tango und Steak: 2 Wochen in Buenos Aires

2 Wochen in Buenos Aires: 8. bis 21. Februar 

Meinen ersten Blick auf Buenos Aires habe ich von der Fähre aus, die Skyline ist zwar nicht riesig, aber durchaus beeindruckend. Leider empfängt mich die Stadt mit einem heftigen Gewitter...

 


Es ist Montag morgen, der Regen hat aufgehört und es ist warm und schwül draußen. Von der kühlen Brise Uruguays auf der Haut ist nichts mehr zu spüren. Hätte ich die Augen zugemacht und aufgrund des Klimas meinen Aufenthaltsort bestimmen sollen, so hätte ich auf Manaus mitten im Amazonas getippt.. Das sollte Aufschluss genug geben, wie hoch die Luftfeuchtigkeit sich hier anfühlt. Ein paar Argentinier sagen mir, dass BA in einer Art Kessel liegt und es deshalb so schwül aufgeheizt ist, dazu kommt dass das Wetter hier in letzter Zeit verrückt spielt und es viel tropischer ist als normalerweise. Na da wird sich ja Linda freuen, die mag 35 Grad im Schatten wohl eher weniger..

Ich bin in einem Hostel mitten im Centrum. Ich schließe mich gleich ein paar Mädels aus meinem Zimmer an und wir machen die nächsten Tage viele Stadtbesichtigungen zusammen. Dieses Mal nicht mit dem Rad, dafür gibt es nach meinem Geschmack zu wenig Radwege und zu viele verrückte Autofahrer. Aber ich mache ja gerne Stadtspaziergänge, den ersten im Zentrum:

Das Zentrum lässt sich bequem zu Fuß vom Hostel aus erkunden: der Obelisk, der Kongress, Plaza Mayo und wir spazieren entlang der ehemals größten Straße der Welt, der Avenida 9 de Julio.. Und die Shoppinhstraße Florida darf natürlich auch nicht fehlen, eine lange Fußgängerpassage, in der man alles findet, was das Herz begehrt (in meinem Fall mein Lieblingscafe "eat green", denn hier gibt es tolle Salate und super leckere vegane Sandwiches..) Mit Lisa aus Holland gehe ich noch indisch essen, das hat mir auch gefehlt.

     

An meinem ersten richtigen Abend in BA geht es in den Bezirk Palermo, denn hier spielt das Nachtleben: Bars, Restaurants und die Nachtclubs befinden sich hier. Ich trinke endlich den ersten argentinischen Wein (herrlich!!!), dann gehen wir noch ins Zweithostel unseres Hostels und holen uns den Willkommensdrink ab, ... Aber es bleibt nicht bei einem, ich bin doch ganz schön angetüttert und ende beim Karaokesingen, das hab ich in meinem Leben noch nie gemacht und ich glaub das bleibt auch ein einmaliges Erlebnis ;) Gesungen habe ich von Helene Fischer "Atemlos" .. und danach war ich im ganzen Hostel bekannt. Das Hostelpersonal findet den Song so klasse, dass seitdem im Aufenthaltsraum eine Helene Fischer Playlist rauf und runter läuft ;) 

Fürs Karaokesingen bekomme ich noch Schnapps ausgegeben und der gibt mir den Rest. Nicht dass es mir schlecht ging, aber durch das viele Durcheinander (Wein, Cocktails und Schnapps) ist für mich der ganze nächste Tag gelaufen. Mit 27, bald 28 ist es halt auch schon nicht mehr wie mit 18, leider... Erst gegen 17 Uhr des Folgetages sehe ich wieder Sonnenlicht ;) Ein Glück habe ich in Buenos Aires genug Zeit und daher tut es mir nicht allzudoll Leid für den versäumten Tag.

Ich treffe Evelien und Jan wieder, mit denen ich in Montevideo schon beim Carneval war. Zusammen gehen wir in Palermo mal bei Tageslicht spazieren, ist es immerhin auch eine angesagte Wohnsiedlung. Danach gehen wir durch die Parks im Süden Palermos, in hübsch angelegte Gärten und den japanischen Garten. Wir machen uns auf den Rückweg um noch das Pferderennen mit anzusehen, aber wir wetten nicht mit und daher gucken wir nur kurz zu um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Das von uns ausgesuchte Restaurant war dann ein totaler Fehlgriff und wir werden mit unserer Bestellung vergessen. Da ich eh nicht wirklich was auf dem Menu gefunden hatte bin ich gar nicht unglücklich darüber. Wir gehen auf dem Rückweg also im Supermarkt einkaufen und kochen gemeinsam, das ist eh günstiger und viiiieeeell leckerer ;)

    

Wir besichtigen noch die Stadtteile La Boca mit den vielen bunten Häusern und dem Fußballstadion und lernen die Geschichte kennen, wie hier Tango entstanden ist. Zurück laufen wir entlang des hübsch gestalteten Hafengebietes. Buenos Aires macht einen sehr europäischen Eindruck! Ich fühle mich fast ein bisschen wie zuhause in Berlin. Die Stadt ist sauber, das Infrastruktursystem ist äußerst gut, überall gibt es große Ketten wie McDonalds, Subway und Starbucks, man kann selbst im dunkeln noch eingermaßen gefahrlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren oder herumlaufen (in Quito, Medellin, Rio, Sao Paulo und anderen Städten meiner Reise war das nicht so möglich wie hier) Das Stadtflair ist ebenfalls europäisch, viele Restaurants, Bars und Cafes und fast überall kann man gemütlich draußen sitzen. Die lange Fußgängerpassage ist nett zum shoppen, viele saubere Parks laden zum Verweilen ein und die Gebäude erinnern mich häufig an das Stadtbild von Berlin; sogar einige der Shops und kleinen Boutiquen könnten eins zu eins in Berlin sein. Für jemanden, der herkommt und eine mega geile Stadt erwartet mit tollem Sightseeing und vielen neuen Eindrücken, der ist vielleicht etwas enttäuscht. Um es mal an einem Beispiel zu erklären: in Rio waren wir total geflasht von den weißen Stränden, den Favelas, die sich in den Bergen zwischen den dichten Regenwald quetschen und den alles überragenden Christus und dem Zuckerhut! Alles war anders, beeindruckend, umwerfend und völlig aufregend! In Rio verbringt man ein paar Tage um alles anzusehen und die Highlights zu erkunden, dann ist es aber wieder Zeit weiterzureisen. Buenos Aires ist anders, es gibt kein beeindruckendes Sightseeing, das einem den Atem raubt, es ist dafür eine Stadt zum verweilen. In Rio hätte ich mich nicht annähernd so frei bewegt und zuhause gefühlt, wie in BA, dafür war die Stadt aber umso geiler! Da ich auf meiner langen Reise BA als Destination nutze, um etwas anzukommen, mich auszuruhen und auch einzuleben, ist es somit perfekt für mich. Ich kenne mich nach ein paar Tagen mit den Stadtteilen aus, kenne nette Cafes, den passenden Geldautomaten, die Supermärkte, Restaurants und auch schon viele Leute. Ich genieße Buenos Aires und sammel Energie und neue Kapazitäten für die Reise mit Linda in den Süden: Wandern in Patagonien :)

In Autralien habe ich in Sydney mit Gisela aus Buenos Aires in einer WG gewohnt und jetzt treffen wir uns hier wieder! Es ist mittlerweile über ein Jahr her und ich freue mich riesig sie wiederzusehen :) Während ich im Hostel auf Gisela warte, werde ich in die kostenfreie Tangostunde integriert und als Gisela mich dann abholen will, hat sie keine Chance und muss auch mittanzen. Es ist sehr witzig und wir können immerhin 3 Tangoschritte am Ende der Stunde. Nun sind wir aber auch ziemlich hungrig und fahren nach Recoletta, einem teuren Wohn- und auch Ausgehviertel mit netten Restaurants. In Argentinien wird super spät gegessen, meist erst gegen 21 oder 22 Uhr, viel zu spät für mich..


Wir verabreden uns um gemeinsam nach Tigre zu fahren, dem Flussdelta 35km nördlich von Buenos Aires. Hier ist das Wochenenddomizil für reiche Argentinier. In der Region der vielen kleinen Seitenarme des Flusses liegen herrliche Villen, alle nur über den Wasserweg erreichbar. Gisela und ich machen eine einstündige Bootsfahrt und genießen die Ausblicke auf den Fluss, die schönen Gartenanlagen und natürlich die hübschen Häuschen :-)

 

Nun rückt der Tag meines Geburstages immer dichter. Mit Gisela und ein paar anderen bekannten Gesichtern im Hostel werde ich am 17. Februar abends feiern gehen. Von Gon, dem Freund einer Freundin aus Berlin, der ebenfalls aus Buenos Aires ist, werde ich für den 16.02 abends eingeladen zu Antipasti und Wein. Er selbst bietet Couchsurfing an und hat Besuch aus Frankreich und Uruguay da. Zusätzlich kommen noch ein paar Freunde vorbei und so werde ich dann mit mir noch unbekannten Leuten in meinen Geburtstag hineinfeiern. Ich bringe ebenfalls einen Wein mit als Gastgeschenk und werde sehr freundlich in die Runde aufgenommen. Ein Glück sprechen alle ganz gut englisch und es wird ein netter geselliger Abend. Kurz vor Mitternacht bringe ich allen "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag" bei und es scheint extrem schwer auszusprechen zu sein ;) Um Mitternacht bekomm ich dann von Gon sogar einen Geburtstagskuchen aus Schokolade und Dulce de Leche, voll lieb! Es wird in spanisch und englisch gesungen und auf deutsch ist es unverständlich, aber lustig :) Nun gehen wir in einen Club und ich treffe Lisa aus meinem Hostel wieder, sie wollte zu späterer Stunde dazustoßen. Das ist auch mein Glück, denn der Club ist überhaupt nicht mein Fall. Lisa ist mit weiteren Leuten aus dem Hostel unterwegs und gemeinsam mit ihnen ziehen wir in eine Bar weiter. Ich verabschiede meine Geburtstagstruppe und bin froh aus dem Laden rauszukommen, wenn auch ein bisschen traurig schon allen wieder tschüß zu sagen.. Aber so verbringen wir noch einen netten Abend bei einem Bierchen in der Bar und kommen nicht allzu spät ins Bett, denn immerhin will ich meinen Geburtstag nicht verschlafen.

 
Es ist einfach unbeschreiblich wie viele liebe Menschen an meinen Geburtstag gedacht haben! Ich bekomm Nachrichten von überall auf der Welt und das ist wundervoll! Vielen lieben Dank nochmal an dieser Stelle für die lieben Nachrichten :) Ich skype am Vormittag mit Stefan, Mama und Dietmar und mit Hubert und Jutta, nur mit Marita schaffe ich leider nicht :( Zum Frühstück/Mittagessen bin ich in meinem Lieblingscafe mit Nicolas verabredet. Wir haben uns in Uruguay kennengelernt und er wohnt eine Stunde von BA entfernt und kann abends nicht mit feiern kommen, daher treffen wir uns jetzt tagsüber. Ich bin so froh mittlerweile Leute hier zu kennen, die ich mag, sonst wäre das ein ziemlich einsamer und trauriger Geburtstag geworden. Mit Nicolas gehe ich also Mittagessen und dann spanne ich ihn für meine Shoppingtour ein, heute ist schließlich mein Geburtstag und da darf man mir sowas schließlich nicht abschlagen :) Aber was ich kaufen will ist mit spanisch sprechender Unterstützung auch sehr viel einfacher: für die Wandertour mit Linda will ich ein Zelt kaufen! Ich habe von anderen Reisenden gehört, dass es in Patagonien alles extrem teuer ist, sowohl das Equipment zu kaufen, als auch schon eine normale Nacht im Hostel (20 bis 30€ die Nacht in einem normalen Schlafsaal..)

Wir klappern also die Outdoorläden ab und Nicolas muss für mich alle Details erfragen: Gewicht, Wasserdichte, Größe, ist es für die niedrigen Temperaturen und den Sturm Patagoniens geeignet? Und alles was man halt noch so wissen muss. Schließlich kaufe ich ein Zelt, das nur 2kg wiegt, für 2 Personen geeignet ist und 90€ kostet. Wenn wir beim Torre del Paine 4 Nächte im Zelt schlafen und davor nochmal so 2 oder 3 Nächte, dann sind das 6€ pro Person und Nacht. Da ist ja noch nicht eingerechnet, dass wir das Zelt am Ende der Reise wieder verkaufen und hoffentlich noch mindestens 1/3 des Preises wieder reinbekommen.. So günstig wird es wohl sonst nicht gehen und wir sind überall am flexibelsten. Durchdacht, durchgerechnet und durchgeführt! Mit zwei günstigen Termo-Isomatten für je 14€ (günstig, da auch extrem dünn und ungemütlich wie sich später herausstellt..) und dem Zelt ausgestattet, geht ein erfolgreicher Geburtstags-Shoppingtag zuende! Noch kurz einen Kaffee getrunken, dann geht es auch schon zurück ins Hostel, die Partymeute wartet :)

  

Im Hostel angekommen finden sich Gisela (BA), Lisa (Amsterdam), Isaac & Isaias (Santiago) und ich zusammen um auszugehen. Gisela überrascht mich mit einem Geburtstagskuchen (wie es scheint ist Dulce de Leche extrem beliebt :) und singt mir ein deutsches Geburtstagslied! Ich bin voll gerührt, so lieb! (Gisela war auf einer deutschen Schule und hat daher noch einiges an Deutschkenntnissen) Das Hostel spendiert eine Runde Getränke für uns. Gisela hat, da ja heute Mittwoch ist, einen After work club für uns rausgesucht. Wenn wir rechtzeitig da sind und noch dort Abendessen, zahlen wir keinen Eintritt. Blöd ist nur (und daran hat wohl keiner gedacht), dass after work auch heißt, dass alle sehr chic angezogen sind. Wir als lumpige Backpacker haben schon unsere beste Kleidung an! und dennoch kommen wir nicht rein! Irgendwie blöd, aber es regen sich die anderen viel mehr auf als ich. Mir ist es irgendwie auch recht dann woanders hinzugehen, in so einen chicen Club will ich eh nicht. Wir landen also wieder in Palermo in einer sehr coolen Bar, die später dann zum Danceclub wird. Wir bestellen eine Pizza und überbackene Pommes und, da noch Happy Hour ist, 2 Cocktails pro Person :)



Wir tanzen bis in die frühen Morgenstunden und so geht ein toller Geburtstag zuende. 

So langsam bin ich aufgeregt, denn es ist Donnerstag und morgen früh kommt Linda an! Ich ruhe mich heute aus, lese im Guidebuch alles zu Lindas und meiner geplanten Tour, schreibe Blog und mache allen weiteren Orgakram, den ich noch vor Lindas Ankunft erledigen will.

Das Wetter ist bei Lindas Ankunft genauso wie bei mir, als ich in BA angekommen bin, es ist abgekühlt und regnet. Linda hier in Buneos Aires zu begrüßen kommt mir noch ganz unwirklich vor! Ich hab mich mittlerweile hier ja gut eingelebt und freue mich schon ihr alles zu zeigen. Linda kommt schon früh an, gegen 9 Uhr ist sie bei mir im Hostel und wir fallen uns erst mal in die Arme :) So cool, dass ich Besuch von zuhause bekomme! Linda schließt erst mal ihren Rucksack im Luggage Room ein, denn der Check-In muss noch warten. Beim Frühstück haben wir erst mal einiges zu quatschen, wir sind noch richtig aufgedreht! Und dann drehen wir eine erste Runde durch die Stadt.  
  

Nach den ersten Stunden Sightseeing im Zentrum fahren wir nach La Boca um uns das bunte Viertel und die Tangotänzer auf den Straßen anzugucken. Lustigerweise ist die walkingtour vom Hostel direkt mit uns angekommen und wir folgen dem Guide und schnappen so noch die ein oder andere Info über die Geschichte des Viertes auf. So langsam ist dann aber auch die letzte Energiereserve aufgebraucht und Linda muss erst mal eine Runde schlafen. In der Zeit gehe ich einkaufen und koche uns Mittag. Am Nachmittag klart dann auch das Wetter auf und wir fahren nach Palermo. Auf einer Dachterasse setzten wir uns mit dem Wanderführer und dem Guidebuch hin und machen unseren Plan. Und wir stellen fest, dass wir einen sehr sehr engen Zeitplan haben werden. Allein die Fahrt von Buenos Aires nach Bariloche, unserem ersten Stop, dauert 23 Stunden. Nachdem wir einen groben Plan aufgestellt haben, wo wir wann sein wollen, entscheiden wir uns nach Bariloche zu fliegen. Ein Flug ist nicht sehr viel teurer und dauert nur 2 Stunden. So langsam wird uns auf der Dachterrasse aber kalt und wir ziehen weiter um ein nettes Restaurant zu finden um den ersten Abend gebührend zu feiern. Wir finden ein angesagtes Restaurant, dass so gut besucht ist, dass wir sogar auf einen Tisch warten müssen. Aber als wir dann erst mal drinnen sitzen ist es ne nette Location um mit einem Cocktail auf unsere gemeinsame Reise anzustoßen :)

  

Der Samstag morgen begrüßt uns mit einem strahlend blauen Himmel. Wir laufen zu meinem Lieblingscafe fürs zweite Frühstück und bummen dann zum Hafen. Der Kontrast zu gestern könnte nicht größer sein, heute ist strahlender Sonnenschein und es ist wieder mega heiß. 

   

Wir fahren weiter nach Recoletta um den berühmten Friedhof zu besichtigen, auf dem Evita beerdigt liegt. Wir gehen auf dem Weg noch Eis essen, Linda muss schließlich auch das typische Dulce de Leche Eis probieren :) Wir sind nun leider zu spät dran, denn der Friedhof hat Schließungszeiten und wir dürfen nicht mehr hinein. Aber wir finden auch so eine schöne Beschäftigung, denn in der Nähe des Friedhofs ist ein Park und ein Marktstand aufgebaut. Mit frischem Obstsalat setzten wir uns in den Schatten ins Gras und lauschen der Life-Musik. Es ist herrlich entspannend hier im Park zu sitzen und wir nutzen die Zeit, haben uns schließlich fast ein halbes Jahr nicht gesehen und haben uns viel zu erzählen :)

Heute Abend wollen wir in Lindas Geburtstag reinfeiern und daher bietet es sich an hier in Recoletta in eins der netten Restaurants zum Abendessen zu gehen. Wir bestellen beide einen Salat und werden mal wieder entäuscht. Von Salat verstehen die Argentinier nix, es ist immer lieblos zusammengeworfenes Gemüse (meist nur Blattsalat, Tomate und Zwiebel) und daneben stellen sie Essig und Öl. Einen netten bunten Salat mit Avocado, Nüssen und anderen kreativen Zutaten oder einem netten Dressing darf man hier nicht erwarten..

Im Hostel angekommen ruhen wir uns noch ein bisschen aus und machen uns fertig. Das Hostel organisiert die Partyausflüge und heute gehts in einen coolen Club mit großem Outdoorbereich. Kann es immer noch gar nicht fassen, dass wir gemeinsam hier sind und tatsächlich unseren geburtstag hier gemeinsam in Buenos Aires feiern :)

Und schon bricht unser letzter Tag in Buenos Aires an. Wir verschlafen den Vormittag und essen gleich Mittag :) Der Flug für morgen früh ist gebucht und wir packen schon mal. Heute Abend ist dafür schließlich keine Zeit, denn wir gehen zu einer Tangoshow! Das war sicher das Highlight des ganzen BuenosAires Besuchs. Wir werden super lecker verköstigt mit einem Drei-Gängemenü (Linda genießt ihr erstes argentinisches Steak!) und wir lernen eine Stunde lang die Basis-Tangoschritte. Und dann gibts die eigentliche Show, die Tänzer und Tänzerinnen zeigen die Geschichte des Tangos von ihren Anfängen bis heute. Die Outfits und Tangoschritte verändern sich über die Jahre und wir bekommen eine eindrucksvolle Show zu Gesicht. Was für ein toller Abschluss unseres BA-Besuchs :)

  

07Februar
2016

Colonia del Sacramento,... bye bye Uruguay :(

7. Februar - Sonntag

Mein letzter Stop in Uruguay, bevor es nach Argentinien geht: Colonia del Sacramento! Ich nehme gleich den ersten Bus morgens, denn es dauert ca 4 Stunden mit dem Bus ab Montevideo. Im Busterminal angekommen gebe ich meinen Rucksack bei der Gepäckaufbewahrung ab und mache mich nur mit meinem kleinen Rukcsack auf den Weg zur Stadtbesichtigung. Wobei Stadt auch schon zu viel gesagt ist, kann man doch ganz Colonia in guten drei Stunden komplett besichtigt haben.

Die Altstadt ist umgeben von einer alten Stadtmauer und ich schlender durch das Stadttor erst mal runter zum Wasser! Es ist Sonntag und alles ist ruhig und die Leute fanieren durch die Stadt. Ich bleibe kurz am Wasser sitzen und laufe zum Leuchtturm und dann zum kleinen Hafen. 

    

 

Ich drehe ein paar Runden durch die kleinen süßen Gassen und habe bald schon das Gefühl alles gesehen zu haben. Es ist tolles Wetter und ich setzte mich in ein nettes Restaurant und bekomme einen vegetarischen Grillteller. Das Angebot an sich ist ja ganz gut, aber die Umsetzung nicht so der Hit, aber egal. Ich habe noch Zeit und hole mir ein Eis und setze mich wieder ans Wasser und lasse so die Zeit verstreichen bis meine Fähre nach Buenos Aires geht.

Das Wetter war bisher eigentlich traumhaft schön, doch als ich bei der Fähre aufs boarding warte fängt es draußen an zu regnen. Nach ca 1,5 Stunden mit der Fähre empfängt mich Buenos Aires mit einem richtig starken Gewitter und heftigem Regen. Der Hafen ist schlecht an öffentliche Verkehrsmittel angebunden, sodass sich alle auf die wenigen Taxen stürzen.. Fast eine Stunde dauert es, bis ich endlich von der Fähre mit Taxi auf dem Weg zu meinem Hostel bin. Ich bin ja früh aufgestanden und mittlwerweile ist es schon später Abend, ich freue mich aufs Bett und morgen kann dann die Stadtbesichtigung bei hoffentlich besserem Wetter losgehen.. Mir wird die malerische Idylle Uruguays hier in der Großstadt sicher schnell fehlen... Aber jetzt sag ich erstmal   ... "Hallo Argentina!"

06Februar
2016

Carneval in Uruguay!

4. bis 6. Februar - Donnerstag bis Samstag

Es wird Zeit der Farm El Galope auf Wiedersehen zu sagen! Das waren schöne 3 Tage! Den Vormittag habe ich noch auf der Farm ganz gemütlich in der Sonne gesessen, dann geht es mit dem Bus in 3 Stunden zurück nach Montevideo. Da ich ja schon mal hier war, geht es zügig mit Stadtbus und Spaziergang zurück zu meinem alten Hostel. Im Aufenthaltsraum angekommen und eingecheckt treffe ich Michael wieder (aus Hamburg, war schon vor meiner Abreise auf die Farm hier und hat auch beschlossen Carneval hier anzusehen, statt teuer nach Brasilien zu hetzen..)

Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zum Ticketoffice um noch last-minute tickets für eine der Tribünen zu ergattern, aber es ist nichts mehr im Vorverkauf zu haben. Eventuell können wir abends noch Tickets vor Ort bekommen, also rechtzeitig hingehen..

Beim frühen Abendessen im Hostel lerne ich Evelien und Jan aus Holland kennen und sie schließen sich uns für den Abend an. Wir haben Glück und können in der Touri-Tribüne noch gute Plätze ergattern. Da wir in nächster Nähe zur Jury und dem Filmteam sitzen, haben wir die Chance die beste Tanzformation der Gruppen zu sehen! Insgesamt treten 42 Gruppen auf, davon 21 heute und 21 morgen.

Die Parade geht los und wird von Carnevalswagen eröffnet. Die jeweiligen Gruppen haben alle ein Motto, häufig repräsentieren sie ihr Land oder eine Region. Zuerst kommen die Fahnenträger und schwingen die überdimensionalen Fahnen im Wind, gefolgt von den Trommlern und den Tänzerinnen und Tänzern. Jede Gruppe hat sich etwas ganz individuelles einfallen lassen und präsentiert sich in buten Farben, kreativen Outfits, Masken und Choreografien. Die Gruppen werden mit zunehmendem Abend bunter, besser und die Frauen nackiger.. So ähnlich habe ich auch den Carneval aus Rio in Erinnerung (was man so aus dem Fernsehen kennt), es macht Spaß zuzusehen und nach mehreren Stunden bin ich auch umso mehr froh, dass wir uns einen Sitzplatz gegönnt haben und ich hier mit lecker Popcorn in der Hand die Parade an mir vorbeiziehend genießen kann.

      

Gegen 1 Uhr ist die letzte Gruppe durch und wir folgen der Parade mit allen anderen die Straße entlang. Die Stimmung ist ausgelassen, in der Ferne ist noch das Trommeln zu hören und so tanzen wir noch ein bisschen durch die Straßenzüge bis wir müde sind...

  

Am Freitag morgen ist Zeit das Zentrum Montevideos zu entdecken (letzes Mal war ich ja nur am Wochenende hier und in der Woche ist im Zentrum mehr los und alles geöffnet) Mit Michael, Evelien und Jan bummeln wir durch die Straßen, gehen gemütlich einen Kaffee trinken (für manche auch schon das 12-Uhr-Mittags-Bierchen..) und besichtigen den beliebten Markt. Zum Mittagessen gönnen wir uns an einem beliebten Stand eine Empanada (für mich zur Abwechslung gibt es auch eine mit vegetarischer Füllung). Anschließend gehen wir ins Carneval-Museum und bummeln wieder zurück zum Hostel um uns für den zweiten Carnevalstrubel auszuruhen. 

   

Ich nehme Regan und ihre Freundin Easy in Empfang (die beiden waren auch auf der Farm El Galope und wir haben uns für heute Abend verabredet). Die beiden sind gerade erst angekommen und wir holen uns kurz was kleines zum Abendessen aus dem Supermarkt und gehen dann los zur Runde 2 der Paraden. Heute sollen die Gruppen noch besser sein als gestern. Aber die beiden wollen kein Geld für einen Sitzplatz ausgeben und so quetschen wir uns am Straßenrand in die Menge. Da ich ja gestern den Luxus-Tribünenplatz hatte ist mir das heute auch Recht. Die 2 Stunden bis es überhaupt losgeht sind jedoch mega anstrengend, die Leute quetschen und drängen und trinken dann mitten in der Menge auch noch ihren heißen Mate (mir unbegreiflich wie man bei so ner Veranstaltung auch noch freiwillig ne Termoskanne und Becher mitschleppt..)

Die Show wird heute mit einem Feuerwerk eröffnet und im Gegensatz zu gestern bekommen wir heute im Gedränge die gute Stimmung der Zuschauer noch deutlicher mit. Es wird gesungen, gegröhlt und geklatscht und alle sind sehr ausgelassen. Die Show ist noch besser als gestern, die Tänzerinnen besser, die Outfits nochmal nackter und die Choreografien ausgefallener. Alles ist kunterbunt und glitzert! Wir stehen uns jedoch die Beine in den Bauch.. Um 18 Uhr waren wir da und gegen Mitternacht wird uns von ein paar Uruguayanern geraten, uns innerhalb der nächsten 20 Minuten auf den Heimweg zu machen, denn sobald die Show gegen 1 Uhr zuende ist, wird es in den Straßen gefährlicher. Wir befolgen den Rat und machen uns auf den Heimweg. Kaum sind wir aus der Menge raus und auf halbem Weg zum Hostel fängt es in Strömen an zu regnen! Was haben wir doch für ein perfektes timing ;)

Samstag schlafe ich aus und organisiere meine Weiterreise nach Buenos Aires, will ich doch auf dem Weg noch Colonia del Sacramento ansehen und brauche Busticket, Fähre und ein Hostel für Buenos Aires.. und da gibt es viel Auswahl.. Ansonsten tausche ich mit Michael Fotos und bummel noch etwas durch die Stadt. Langsam kann es losgehen nach Argentinien!

04Februar
2016

Reiten und Kühe melken... 3 Tage auf der Farm El Galope

1. bis 4. Februar - Montag bis Donnerstag

Ich muss heute früh raus, denn mein Bus ins entlegene Kaff drei Stunden nordwestlich von hier fährt bereits um 7 Uhr ab. Ich will soviel Zeit wie möglich auf der Farm haben und daher heute zeitig ankommen. Im kleinen Örtchen Valdense angekommen werde ich von einer Mitarbeiterin der Farm El Galope abgeholt und es geht eine weitere halbe Stunde entlang der Felder und Farmen bis wir das Tor einer großen Farm erreichen. Das erste Tor öffnet meine Fahrerin noch selber und fährt auf den Hof. Bei dem zweiten Tor sind große Warnschilder befestigt, die hier lebenden Hunde sind wohl zu gefährlich um selbst einzutreten, daher wird geklingelt. 

   

Die Farm wird von Monika und Miguel geführt, ein sehr herzliches Ehepaar, die ihre Farm mit sehr viel Liebe führen. Die Taxifahrerin spricht kein Englisch, aber sie hebt ihren linken Arm und zeigt mir eine große Narbe. Dann zeigt sie auf das Schild mit dem zähnefletschenden Boxer und dann auf die Klingel. Ich vestehe aus ihrem spanisch soviel, dass sie vor einem Jahr gebissen wurde und ich nicht allein das Tor aufmachen soll. Mir wird ein bisschen Angst und Bange! Bei der Beschreibung der Farm stand: 5 Pferde, derzeit 2 Fohlen, 3 Katzen, 3 Hunde und Hühner! Dabei habe ich absolut nicht daran gedacht, dass hier Boxer leben könnten, die mir dann doch sehr gefährlich vorkommen..

Monika kommt uns entgegen und öffnet das Tor, wir fahren auf den Hof und laden meine Sachen aus. Erst mal nichts von den Hunden zu sehen. Die Estancia ist sehr liebevoll eingerichtet und es ist äußerst gemütlich mit großem Holztisch und einem Ofen. In meinem Zimmer schäft gerade ein Mädel, also stelle ich erst mal nur meine Sachen ab und gucke mir die Farm an. 

   

Monika gibt mir einen Plan von der Gegend und zeigt mir die Spazierwege und Farmen der Umgebung. Es gibt eine Milchfarm, derzeit mit vielen kleinen Kälbern. Die Besitzerin ist eine Freundin von Monika und sie sagt, ich darf da gerne zu Besuch vorbeigehen, nachmittags um 16:15 Uhr wird das zweite Mal gemolken und ich kann gerne zusehen oder mithelfen. Ansonsten kann ich morgens um 6:30 Uhr am Reitunterricht teilnehmen mit anschließendem Ausritt. Es gibt einen kleinen Minipool, eine Draußendusche und eine Sauna. Monika und Miguel waren für 4 Jahre in Tübingen und haben da das erste Mal eine Sauna kennengelernt. Sie fanden das so toll, dass sie auf ihrer Farm eine Sauna gebaut haben, damit hatte ich ja gar nicht gerechnet. Tagsüber ist es zwar sehr heiß, aber abends kühlt es ordentlich runter und da erscheint mir so ein gemütlicher Saunagang und ein Sprung in den Pool als genau richtig!

Aber bevor ich hier mit Ausflügen in die Umgebung starte, Kühe melke, reite oder in die Sauna gehe, möchte ich erst mal folgendes machen: NICHTS :) Ich wechsel in den Bikini und hole mein Handtuch und lege mich an den Pool und genieße die Stille und die Idylle! Monika arbeitet im Haus und Miguel arbeitet mit den Pferden, das eine Mädel das noch hier ist schläft und weitere Gäste kommen wohl erst später an, ich habe also die ganze Farm für mich allein! Entspannug pur :) 

Entspannung pur!, zumindest solange bis Monika mir Bescheid gibt, dass sie nun das Gate zur Koppel aufmacht und die Hunde wieder aufs Grundstück kommen. Ich bin nervös als zwei Boxer und ein Schäferhund auf mich zuwetzen und an mir rumschnüffeln. Monika sagt, die Hunde sind sehr lieb, ich darf nur auf keinen Fall das Gate öffnen. Falls ich die Farm verlassen will, soll ich Bescheid sagen und sie machen mir das Tor auf, wenn ich zurück komme, dann soll ich klingeln. Der Schäferhund ist schon älter und der gewinnt auch sofort mein Herz, lieb setzt er sich immer zu mir und will gekrault werden. Die beiden Boxer, so sagt Monika, sind erst 3 Jahre alt und wissen nicht, wie groß sie geworden sind, sie verhalten sich immer noch wie verspielte Babys. Sobald ich irgendwo sitze wollen sie auf den Sch0ß kommen, wenn ich am Pool liege wollen sie sich am liebsten auf mich legen. Herje! Die sind sooo riesig, gehen mir bis zur Hüfte und allein den halben Hund auf mir liegen zu haben ist schwer! Sie waren tatsächlich sehr lieb, haben immer Nähe gesucht und ich hatte am Ende auch keine Angst mehr, aber der Respekt vor solch großen Hunden bleibt! Aber wenn man paar Tage auf einer Farm verbringen will muss man wohl damit leben, dass dazu auch Hunde gehören. Selbst die Katzen haben Angst vor den Hunden und verbringen die meiste Zeit oben auf dem Dach, weshalb es häufig poltert wenn man drinnen sitzt. Schade eigentlich, denn mit den Katzen hätte ich lieber geschmust ;)

   

Gegend Abend sitzen wir gemeinsam drinnen und ich esse mein mitgebrachtes Gemüse, während Monika für die zahlenden Gäste das Abendessen serviert. Das andere Mädel ist auch aus Deutschland, dann ist noch eine Amerikanerin da und eine ältere Reisegruppe aus drei Italienern. Damit sind wohl auch fast alle Betten belegt. Nach dem Essen sagt Miguel mir Bescheid, dass die Sauna nun aufgeheizt ist. Mit Regan (das Mädel aus den USA) mache ich drei Saunagänge. Da hier alle früh aufstehen,  gehts auch zeitig ins Bett und wir sind alleine draußen. Wir springen unter die Draußendusche und dann machen wir uns es in der kleinen Holzsauna gemütlich, die tatsächlich ordentlich hochgeheizt hat. Als wir dann aus der Sauna kommen und nach der kalten Dusche in den Pool springen, kann ich meinen Augen kaum trauen! Weder nachts in der Wüste Dubais, Marokkos oder im Outback Australiens hab ich je so einen gigantischen Sternenhimmel gesehen!!! Da die nächsten Farmen Kilometer auseinander liegen, hier alle Lichter bereits erloschen sind und die nächste größere Stadt mindestens 3 Autostunden entfernt liegt, gibt es keinerlei störende Lichtquelle! Es ist eisig kalt und der Himmel äußerst klar. Die gesamt Milchstraße ist hell erleuchtet von Milliarden an leuchtenden Sternen so weit das Auge reicht! Wir sitzen also im Pool und schauen in den Nachthimmel hinauf und sind beide sprachlos bei diesem unbeschreiblichen Anblick! Ich kann den Blick nicht abwenden, besonders weil ich nicht damit gerechnet habe so einen Sternenhimmel hier sehen zu können, bin ich umso mehr berauscht von der Schönheit dieses Augenblicks! Wir kommen uns so klein vor im Universum und schauen so lange in die Weite des Nachthimmels hinauf, bis wir halb tiefgefroren nur noch zusammengekauert im kalten Pool hocken.. Die aufheizenden Saunagänge in Abwechsung zur Abkühlung im Pool mit Blick auf die Milchstraße erfüllen mich mit einer so unglaublich großen Zufriedenheit; ich bin so glücklich, es gibt in diesem Moment keinen schöneren Platz auf der Welt als genau hier!

Nachder Sauna bin ich so erschöpft, dass ich wie ein Stein schlafe! Leider geht der Wecker unsagbar früh, denn um 6:00 ist Frühstück, um 6:30 geht es los mit den Pferden! Wir beschäftigen uns erst mal intensiv mit den Tieren bevor es mit dem Unterricht und dem eigentlichen Reiten losgeht. Mein Pferd ist vor 2 Wochen Mama geworden, das kleine Fohlen habe ich auf der Weide schon gesehen!

 

Wir strigeln und satteln unsere Pferde und dann gibt es Reitunterricht: wie steige ich richtig auf, wie wird in Uruguay ganz Gaucho-Style richtig gesessen, die Zügel gehalten, gelenkt und und und.. Und dann geht es auch schon los mit den ersten Runden auf dem Hof. Meine frisch gebackene Mama wiehert die ganze Zeit nach ihrem Kind und ich bin etwas beunruhigt, aber sie ist ganz brav geblieben und ist nicht mit mir durchgegangen..

Miguel kontrolliert und verbessert uns, damit wir auch die richtige Haltung einnehmen und ja nur die Zügel mit einer Hand halten, das wird hier halt so gemacht (die Gauchos brauchen ja die zweite Hand fürs Lasso...) Nachdem wir ein paar Runden gedreht haben gehts nun über die Felder, wir versuchen uns im Trab und später im leichten Galopp, was mir am meisten Spass macht!

  

Es ist mittlerweile Mittag geworden und die Sonne knallt ganz schön auf uns herab. Und mir tut auch alles weh! Anders als bei dem letzten Ausritt am Strand (das war ja eher gemütlich) hat sich das reiten hier sehr viel sportlicher angefühlt und ich befürchte schon einen schlimmen Muskelkater. Zurück auf dem Hof holt Miguel dann seine "Gaucho-Outfits" heraus und wir haben unseren Spaß beim Fotoshooting ;)

  

Regan schägt vor dem Muskelkater vorzubeugen und ein bisschen Yoga auf dem Rasen zu machen. Monika muss schließlich die Hunde auf die Koppel bringen, damit wir da auch zu kommen, denn die drei sind sehr interessiert an Yoga und kamen uns immer in die Quere ;) Nach dem Mittagessen mache ich mich mit dem frisch angekommenen Ehepaar aus der Schweiz auf zu der Milchfarm. Monika erklärt uns zwar den Weg, aber dennoch verlaufen wir uns.. Das Kühemelken um 16:15 Uhr nachmittags haben wir irgendwann dann eh verpasst und machen aus dem Nachmittag einen dreistündigen Spaziergang über Felder und Wiesen.. Es ist herrliches Wetter und wir genießen die malerische Idylle des Landlebens. Einziger Haken ist, dass bei jeder Farm einige Hunde leben und häufig die Gatter offen stehen.So manches Mal kommt der eine oder andere Schäferhund auf uns zu oder hinter uns h - und ich bin äußerst froh nicht allein unterwegs zu sein..

 

Das war ein langer und anstrengender Tag! Wir sitzen zum Abendessen wieder alle gemütlich zusammen und ich überlasse die lieb gewonnene Sauna für heute Abend den Schweizern. Ich bin nach so viel sportlicher Betätigung eh viel zu müde und falle totmüde ins Bett! Das war ein wundervoller Tag...
Es bricht bereits mein letzter voller Tag auf der Farm an. Da ich mich ja eigentlich hier auch ausruhen wollte, bemühe ich mich den Vormittag gemütlich zu verbringen :) Mit Regan mache ich Yoga und ansonsten lege ich mich an den Pool und lese. Da heute niemand außer mir zur Milchfarm will (und ich will doch unbedingt die kleinen Kälber sehen!) muss ich mich wohl allein auf den Weg machen. Ich gehe um kurz vor 15 Uhr los, das sollte reichen um dieses Mal das Kühemelken 16:15 Uhr nicht zu verpassen und ich abe mir den Weg nochmal erklären lassen. Ich habe ein bisschen Angst vor den Hunden auf dem Weg und nehme einen großen Stock mit (Monika und Miguel lachen glaub ich heimlich über mich... aber ich fühle mich besser!) Eigentlich genieße ich das Spazierengehen sehr, aber immer wenn ich irgendwo etwas Kläffen höre, dann geht mein Puls hoch. Mehrmals kommen Hunde vom Grundstück und ich befolge Monikas Rat: ignorieren und im gleichen Tempo weiterlaufen! #alsschisserumdiewelt...

Es ist aber auch wirklich sonst niemand unterwegs, nicht mal auf den Grundstücken kann ich Leute entdecken, es ist einfach alles zu weitläufig und manchmal laufe ich eine halbe Stunde ohne dass ein weiteres Haus auftaucht. Monika sagte mir, dass sie hier jeden in der Gegend kennt und alles sehr sicher ist. Sollte jemand in meiner Richtung vorbeifahren, wird jeder anhalten und mich mitnehmen und das kann ich auch problemlos machen. Als ich schon über eine Stunde durch die Wallachei laufe kommt hinter mir ein großer Milchtruck vorbei und hält an. Der junge Mann am Steuer macht die Beifahrertür auf und ich frage nach Susannas Farm, es dürfte nicht mehr allzuweit sein. Er nickt und ich springe auf den Beifahrersitz. Fühlt sich komisch an zu trampen, aber ich bin erst mal froh einer Menschenseele zu begegnen und nicht allein einen Schäferhund oder Boxer anzutreffen..

 
Wie sich herausstellt ist der Milchtruck auch auf dem Weg zu Susanna und ich steige vor dem Grundstück aus. Der Milchtruck und der Fahrer verschwinden hinten auf dem Hof und ich stehe vor einem offenen Gate und vor dem Haus sitzen zwei Schäferhunde (verdammt!) und beäugen mich schon misstrauisch. Oh man, das ist einfach nicht mein Ding! Ich stehe bestimmt 5 Minuten doof in der Gegend rum bis ich den Fahrer aus der Ferne entdecke und mich langsam näher wage und schließlich an Hunden vorbei in die Molkerei gehe. Ich gucke beim Melken zu, sehe den großen Bullen und die Kälber. Von Susanna erfahre ich, dass die Kühe das ganze Jahr über draußen auf der Wiese stehen, in der Regel 20 Jahre alt werden und derzeit 7 Kälber auf dem Hof sind (sofern ich das alles in spanisch richtig verstanden habe..)

Das kleinste Kalb ist gerade mal 10 Tage alt und so unglaublich niedlich. Ich halte meine Hand hin und es beginnt an meinen Fingern zu nuckeln, ich bin hin und weg und verbringe bestimmt eine ganze Stunde nur bei den Kälbern, soooooooo süß!!!

     

Zumindest hat sich der nervenaufreibende Spaziergang allein hierher gelohnt! Ich bin glücklich und mache mich mit meinem Stock bewaffnet wieder auf den Heimweg. Keine 10 Minuten nachdem ich losgelaufen bin sind 2 Hunde auf meinem Weg und kommen auf mich zu. Die nächste Farm ist aber noch sehr weit weg und ich bleibe stehen. Was nun? Ich traue mich nicht weiter und gehe rückwärts. So was doofes, habe ja normalerweise keine Angst vor Hunden, aber das ist mir nicht so geheuer.. Ich blicke mich um und sehe in diesem Moment ein Moped as der Ferne hinter mir. Ich stelle mich mitten auf den Weg und halte das Moped an. Die junge Frau ist ganz verwundert, immerhin stehe ich mit einem Holzbrett bewaffnet auf der Straße ;) Ich frage sie ob sie Richtung El Galope Farm fährt und ich habe Glück, ich werde mitgenommen! Keine 10 Minuten später setzt sie mich vor der Farm ab und ich atme tief durch, geschafft :)

Eigentlich habe ich nur einen Spaziergang zur Milchfarm gemacht, aber innerlich war das ein halber Marathon...  Das Abendessen ist dann wieder sehr gemütlich und anschließend macht die ganze Farm einen Saunaabend :) Abwechselnd gehen wir alle in die Sauna und gucken vom Pool aus in den sagenhaften Sternenhimmel! Was für ein Ausflug, ich bin begeistert von meinen 3 Tagen auf der Farm. Schade, dass es morgen Vormittag schon wieder losgeht, aber ich will die Carnevalsumzüge in Montevideo ja nicht verpassen!
 

31Januar
2016

Wochenmarkt in Montevideo

29. bis 31. Januar - Freitag bis Sonntag

Die letzte Partynacht in Punta del Este sitzt noch in den Knochen, daher fahren Marius und ich erst am Nachmittag mit dem Bus ab. Mit ein Mal umsteigen erreichen wir erst spät das Busterminal von Montevideo. Nach kurzem Stop bei der Touristeninformation haben wir dann auch schon eine Stadtkarte und wissen, wie wir mit dem öffentlichen Bus zum Hostel kommen. Die Stadt macht auf den ersten Blick einen sehr europäischen Eindruck. Die Stadt ist klein und sieht sauber und aufgeräumt aus. Große Palmen säumen das Stadtbild und hin und wieder fahren wir an großen Parks vorbei und großen Plätzen, auf denen Tango getanzt wird. Mir gefällt Montevideo auf Anhieb.

Unser Hostel ist von außen ganz unscheinbar in einem Altbau. Als wir die große Diele betreten fällt Marius und mir erst mal die Kinnlade runter, so ein chices Hostel haben wir noch nicht gesehen. Hohe Decken, überall Grünpflanzen, eine Wendeltreppe führt hoch zu den Schlafsälen und gemütliche Sofas im offenen Aufenthaltsraum, der sich zum Hinterhof mit großem Pool öffnet! Na da haben wir ja einen Glücksgriff gemacht! Für drei Nächte habe ich gebucht, die Planung was ich danach mache und wo ich Carneval verbringe, ist noch offen.

Mittlerweile haben wir so viel Kochequipment, dass Kochen schon richtig spaß macht, denn wir haben viele Gewürze und Lebensmittel bereits dabei. Es ist eh schon spät und wir noch müde. Also kurz noch einkaufen, kochen und Laundry abgeben, dann falle ich ins Bett!

Es ist Samstag morgen und es gilt Montevideo zu entdecken.. mittlerweile wissen wir ja, wie die erste Stadterkundung am meisten Spaß macht: mit dem Rad! :) Wir leihen die teuersten Räder meiner Reise aus, dafür aber auch die mit Abstand am besten. Wir haben gute Mountainbikes und uns schließt sich noch ein Mädel aus Amsterdam an. Zusammen geht es entlang der langen Promenade, die extra für Spaziergänger, Radfahrer und Jogger herrlich autofrei eingerichtet ist und entlang der Wasserfront führt. 

  

Wir gucken uns die Strände Montevideos an (wenn man sonst keinen Strand in der Nähe hat ja ganz ok, aber für uns jetzt nicht besonders einladend um da schwimmen zu gehen). Wir machen nur eine kurze Rast für Apfel und Wasser und weiter geht es zu den Parks und das Umland. Wir machen einen großen Kreis und fahren durch die Wohngebiete wieder zurück bis zur Altstadt. Da diese besser zu Fuß zu erkunden ist bringen wir die Räder wieder zurück und gehen zu Fuß noch kurz durchs Zentrum. Marius und ich gehen bei einem Istanbul Restaurant essen, endlich mal was anderes :) Anders als wir es zuhause kennen ist in Südamerika Samstag Abend kein guter Zeitpunkt mehr durch die Stadt zu bummeln und das Zentrum anzugucken. Alles macht aus Sicherheitsgründen früh dicht und alle Geschäfte sind doppelt und dreifach verbarrikadiert. Dementsprechend sind auch nicht so viele Leute auf den Straßen unterwegs. Man muss sich die Städte eigentlich immer wochentags angucken, das hatten wir in Rio und Sao Paulo auch schon bemerkt..

    

Das war ein ziemlich heißer und langer Tag auf dem Rad und wir haben noch einiges an Planung vor uns. Daher machen wir es uns im Aufenthaltsraum mit Guidebook und Tablet gemütlich und recherchieren für die Weiterreise.

Marius will sobald wie möglich nach Buenos Aires aufbrechen. Ich dagegen habe ja noch viel Zeit bis mich Linda am 19. Februar in Buenos Aires besucht. Für mich ist die dringenste Frage: wo verbringe ich Carneval? Zurück nach Brasilien ist zu weit und zu teuer, in Argentinien wird fast nirgends Carneval gefeiert und daher bleibt am Ende meiner Recherche Montevideo der beste Ort um einem traditionellen Carnevalsumzug beizuwohnen. Am Donnerstag und Freitag nächste Woche sind hier die großen Paraden in den Straßen. Da ich aber nicht so lange in Montevideo bleiben will, entscheide ich mich dazu, mir vorher noch ein bisschen das Inland Uruguays mit den riesigen Weideflächen, den Farmen und den Gauchos anzugucken :) Ich buche Montag bis Donnerstag für 3 Nächte ein Zimmer auf einer Pferdefarm drei Stunden nördlich von hier. Mit Planung kann so ein Abend schon mal schnell umgehen und im Aufenthaltsraum trifft man auch immer viele Leute und verquasselt sich. Aber es ist ja Samstag Abend und da kann man ja nicht im Hostel zumsitzen. Marius, Michael aus Hamburg und ich machen uns mit dem Bus auf den Weg in das Ausgehviertel Montevideos. Nach einigem Suchen finden wir dann auch die uns empfohlene Bar und testen uns durch die Bierkarte. Ich werde auf dieser Reise noch zu einer Biertrinkerin, ist immer am günstigsten und häufig wird schon von kleineren Lokalen selbst gebraut.. Aber ich freue mich schon darauf in Argentinien dann zu Wein zu wechseln ;)

Am Sonntag verwandeln sich große Teile der Straßen Montevideos in einen gigantisch großen Wochenmarkt. Hier gibt es ALLES zu kaufen. In ganzen 3 Stunden habe ich nicht annähernd alles gesehen und überall gucken können, was es alles zu kaufen gibt. Von Haustieren, Gewürzen, Obst, Gemüse, Fleisch, Kosmetik, Baumarktartikel, Kleidung, Bücher, Elektronik, Möbel und und und... Es ist so wühlig auf dem Markt, dass Marius und ich uns verlieren und nicht mehr wiederfinden. Da ich die nächsten 3 Tage auf einer Farm verbringe - ohne Geschäfte, Supermarkt oder Restaurants - wäre ich auf die sehr teure Verköstigung der Estancia angewiesen. Daher kaufe ich auf dem Wochenmarkt Obst, Gemüse, Nachschub an Gewürzen und Reis für 3 Tage ein, es ist alles sehr viel günstiger als im Supermarkt und alles zusätzlich auch noch frischer. Voll bepackt mache ich mich auf den langen Weg zurück zum Hostel. Ich packe für morgen und koche ein frühes Abendesssen. Den Abend verbringe ich mit Blog schreiben, Fotos sortieren und Sicherung meiner Fotos in der ICloud und auf meinem USB Stick.. Gibt ja immer was zu tun auf Reisen ;)

 

29Januar
2016

La Mano - Los Dedos - Punta del Este

27. bis 29. Januar - Mittwoch bis Freitag

Nach der Abgeschiedenheit der kleinen Küstenorte Punte del Diablo und Cabo Polonia geht es nun in einen "high society" Badeort. Von den Backpackern in den kleinen Dörfern haben wir bereits gehört, dass unter den Travellern dies kein beliebter Ort ist.. Hotelkomplexe säumen den Strand, Stadtteile mit teuren Villen, Yachthafen und alles ist extrem teuer. Marius und ich versprechen uns demnach nicht besonders viel von diesem Stop, aber wir wollen uns schließlich selbst ein Bild davon machen.

Wir checken im Hostel ein und machen uns erst mal auf zum Wahrzeichen der Stadt: La Mano (der Hand im Sand), auch genannt "Los Dedos" (die Finger) vom chilenischen Künstler Mario Irarrázabal. Wir haben tolles Wetter und der Strand ist herrlich.. Der erste Eindruck von Punta del Este ist gar nicht mal so schlecht. 

   


Da es schon spät ist und die Retsaurants teuer, wie überall in Uruguay, kochen wir wieder. So oft wie in Uruguay habe ich noch nie gekocht auf meiner Reise. Da das wohl allen Backpackern so geht sind die Hostels aber auch darauf vorbereitet und haben gut ausgestattete Küchen zur Nutzung.

Den Donnerstag starten wir wieder sportlich: die Stadt wird am besten mit dem Fahrrad erkundet! Mit oldscool-Cityrädern klappern wir die Küste ab, das Wetter ist bombastisch! Der Ort ist extrem chic, überall sind Villen und am Hafen liegen Yachten. Natürlich ist das ordentlich Kontrastprogramm zu den Dörfern mit Sanddünen und ohne Strom, aber auch hier gefällt es mir gut und ich genieße den Ausflug.

  

Nach ein paar Stunden auf dem Rad in der heißen Sonne brauche ich eine Pause. Marius radelt weiter zu der 10km entfernten Villa Casapueblo, das ehemalige Haus des Künstlers Carlos Páez Vilaró, das jetzt als Museum genutzt wird.. Ich gehe zum Hotel zurück und fahre mit dem Bus hin. Witzigerweise brauchen wir beide fast gleich viel Zeit um dort anzukommen und wir treffen uns auf der Dachterrasse bei einem Kaffee und uruguayischem Dulce de Leche Gebäck wieder :)

Der Inhaber der Villa ist Künstler und hat sowohl die Villa selber konstruiert als auch die ausgestellten Gemälde selbst gemalt. Es läuft auch ein Film über sein Leben, wie er von seinen Reisen um die ganzen Welt für seine Kunstwerke inspiriert wurde.



Zurück im Hostel wird dann gekocht und Billiard gespielt. Dabei wird mit Bier vorgeglüht, denn es heißt das Nachtleben Punta del Estes auszutesten. Mittlerweile sind wir eine große Truppe und es gibt auch noch einen Geburtstag zu feiern. Gemeinsam geht es in eine Bar und dann in einen Open Air Club.

Ein Glück müssen wir am nächsten Tag erst um 12 Uhr aus dem Zimmer auschecken und können am Nachmittag stündlich einen Bus nach Montevideo nehmen, sodass es keinen Abreisestress gibt..

Punta del Este hat uns positiv überrascht, die malerische Idylle gab es hier zwar nicht, aber wir hatten dennoch tolle 2 Tage!

27Januar
2016

Kein Strom, keine Autos, kein Internet - die Abgeschiedenheit von Cabo Polonia

25. bis 27. Januar - Montag bis Mittwoch

Der Abschied von Punta del Diablo war schwer, aber ich wusste, dass mich erneut ein malerischer kleiner Ort erwartet: Cabo Polonia!

Nur 2 Stunden südlich von Punta del Diablo liegt ein ganz abgeschiedener Ort: es gibt hier keine Autos, keinen Strom und daher auch kein Internet. Am Busterminal kommen Marius und ich an und nehmen von hier aus einen der Trucks, der uns über die 10km langen Sanddünen bringt. Die letzten Kilometer fahren wir am Strand und dann taucht in der Ferne bereits der Leuchtturm und die ersten Holzhüttchen auf.

Unser Hostel hier ist ein zusammengezimmerter Bretterverschlag, kunterbunt und äußerst gemütlich! Es wird von einem jungen Ehepaar geführt, die sehr gastfreundlich und lieb sind. Willkommen zuhause!

  
Marius und ich haben im Grunde die gleiche Reiseroute bis Montevideo und haben daher beschlossen die Tage zusammen weiterzureisen. In Cabo Polonia kommen wir für 2 Tage unter, da der Ort winzig ist und fast nur aus Hippimärkten, dem Leuchtturm, Sanddünen und kilometerlanegn Sandstränden besteht sollten 2 Tage wohl reichen. Ich kann Euch sagen, ich hätte hier auch ne ganze Woche verbringen können, wieder ist es unglaublich idyllisch und malerisch hier, alle sind unglaublich nett und gastfreundlich und die Stimmung ist familiär.

Abends sitzen wir bei Lagerfeuer draußen und es wird wieder die ganze Nacht musiziert. Abends wird es hier deutlich kälter als ich es von Brasilien gewohnt war und es ist herrlich nach einem heißen Tag die kühle Brise auf der Haut zu spüren..

Die 2 Tage in Cabo Polonia verbringe ich in den Sanddünen, am Strand, beim Beobachten der Seelöwen auf den Felsen rund um den Leuchtturm und auf den Hippi Märkten. Uruguay ist ein teures Land und da hier in der Abgeschiedenheit die Restaurants nochmal teurer sind, wird abends im Hostel wieder gekocht. Da es keinen Strom gibt kochen wir bei Kerzenschein :)

    

   

24Januar
2016

Das malerische Fischerdorf Punta del Diablo

20. bis 24. Januar - Mittwoch bis Sonntag

Der Kontrast von Brasilien und Uruguay könnte nicht stärker sein. Ich bin nur 8 Stunden bis zur Grenze Chuy gefahren (übrigens die komischste Grenzstadt in der ich bisher war, das glich eher einer Geisterstadt..) und von der Grenze mit einem weiteren Bus 2 Stunden bis nach Punta del Diablo. Landschaftlich hat sich alles verändert. Während Brasiliens Strände von tropischem Regenwald gesäumt sind, so sind hier Dünen und Gräser präsent. Doch Uruguays Strände müssen sich nicht vor denen Brasiliens verstecken, es ist wunderschön hier! Der kleine Ort Punta del Diablo ist ein altes Fischerdorf mit nur 700 Einwohnern. Mittlerweile gibt es ein paar Hostels, da der Charme der malerischen Küste Uruguays sich langsam rumspricht. Es ist so unglaublich idyllisch hier, alles verspüht einen ganz eigneen Charme, es liegt eine unglaubliche Ruhe in der Luft, die Welt steht hier noch still.. 

  

Statt 2 Nächte bleibe ich am Ende 5 Nächte hier. Im Hostel ist es wie in einer großen Familie, es wird zusammen gekocht, Hunde und Katzen liegen vor dem Haus und die Travellor liegen in den Hängematten vor dem Haus im Schatten. Abends wird draußen ein Lagerfeuer gemacht und Musiker aus der ganzen Welt machen hier gemeinsam Musik.. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie unglaublich wohl ich mich hier gefühlt habe, das war mein perfektes Paradies um auszuspannen und die Schönheit der Küste zu genießen!

Die Leute, die man trifft machen natürlich auch viel aus, mit Marius aus Zürich und Marcos aus Argentinien war ich viel am Strand und abends in der BeachBar auf ein Bier.

     

Der Nationalpark Santa Teresa liegt auch direkt vor der Tür. Was ich bisher auf meiner Reise noch nicht gemacht habe ist Reiten, daher ist hier eine super Gelegenheit. Die Pferde leben hier auf einer großen Farm und sind das ganze Jahr über draußen. Sie waren sehr lieb, gepflegt und vor allem geliebt. Der Guide hat mir erzählt, dass das Pferd auf dem ich geritten bin seit erstes Pferd war, und die Liebe von ihm zu seinem Pferd hat man richtig mitbekommen. So macht auch das Ausreiten gleich nochmal so viel Spaß, wenn es auch den Tieren richtig gut geht. Nach kurzer Einweisung und Unterricht geht es los, wir reiten gute 3 Stunden, erst durch das dünige Hinterland, dann durch den Nationalpark und passend zum Sonnenuntergang reiiten wir am Strand zurück. Im Trab hab ich mich sogar ganz wohl gefühlt :)

     

Nach ein paar Strandtagen wird es nochmal Zeit für etwas mehr sportliche Betätigung, daher leihen Marius und ich Räder aus um zur alten Festung im Nationalpark Santa Teresa zu fahren. Nach kurzenm Schieben über die Sanddünen können wir sogar am Strand fahren, sowas habe ich noch nie gemacht und es ist wunderschön, kilometerlanger verlassener Sandstrand liegt vor uns.. Die Festung erreichen wir am frühen Nachmittag. Nach einem Picknick gehts mit den Rädern zufälligerweise noch durch ein Wildpark zurück, hier sehen wir Wasserschweine und viele andere heimische Tiere. Zum Sonnenuntergang sind wir wieder am Strand und schieben die Sanddünen wieder hoch. Was für ein perfekter letzter Tag in Punta del Diablo!

    

  

19Januar
2016

Ausschlafen in Porto Alegre

16. bis 19. Januar - Sonntag bis Dienstag

Nachdem ich Stefan am Flughafen Tschüß gesagt habe, fahre ich mit dem Bus zum großen Busterminal. 6 Stunden brauche ich mit dem Bus in den Süden zu meiner nächsten Station: Porto Alegre. Diese Station habe ich ausgewählt, da ich von Florianopolis durchfahren kann und es in einer guten Distanz zur Grenze nach Uruguay liegt. Eigentlich wollte ich nach Abreise meiner Reisegruppe ebenfalls Brasilien verlassen, aber über die Grentze will man halt nicht in der Nacht und ich brauche auch paar Tage um erst mal etwas ganz besonderes zu tun: NICHTS :)

In Porto Alegre habe ich quasi 3 ganze Tage verbracht. Die meiste Zeit davon habe ich geschlafen, aber da ich nette Mädels aus Deutschland getroffen habe, bin ich auch mal mit shoppen und sightseeing gegangen. Porto Alegre ist keine besonders sehenswerte Stadt, es ist zwar alles hübsch anzusehen, es gibt einen großen Park, ein ganz nettes historisches Zentrum, einen großen Markt und es gibt unglaublich viele Shoppingmöglichkeiten, aber das wars dann auch schon.

Die meiste Zeit verbringe ich allein (brauche ja mal Ruhe und will abschalten), aber Eva und Tizia aus Deutschland sind nette Mädels und ebenfalls Vegetariarinnen, sodass wir paar Mal zusammen Essen gehen.

    

Am 19. Januar nehme ich dann abends um 23 Uhr den Nachtbus nach Chui (Brasilien), bzw. Chuy (Uruguay). Dies ist die Grenzstadt um in mein nächstes Land einzureisen: auf nach Uruguay! Der Bus braucht 8 Stunden, sodass ich morgens um 7 Uhr an der Grenze bin..

16Januar
2016

You might get soaked again - trekking in Florianopolis ;)

8. Januar - Freitag

Wir sind ja schon daran gewöhnt ewig im Bus zu sitzen, dieses mal war es sogar recht komfortabel und wir wurden nicht tiefgekühlt. Wir kommen verspätet und einigermaßen unausgeschlafen in Florianopolis Stadt an :) 

 
Hier werden wir nicht bleiben, sondern mit dem Taxi noch an die Ostküste der Insel fahren, der Strand ruft :) Aber erst mal laufen wir vom Busterminal durch die Stadt und suchen das im Lonly Planet empfohlene Cafe Cultura um zu frühstücken. So langsam droht der erste kleine Abschied: zum ersten Mal auf unserer Reise haben wir verschiedene Unterkünfte; Stefan und ich sind südlich einer Lagune, Marita und Mo nördlich der Lagune in der Nähe der Ortschaft Lago. Wir fahren also mit Taxi gen Osten und setzten Marita und Moritz oben auf einem Berg ab, denn hier liegt ihre idyllische Pousada mit herrlichem Blick auf den Ort und die Lagune. Stefan und ich kommen in unserer Pousada an und erkunden erst mal den kleinen Ort, der nur aus einem kleinen Markt und einem Sushi-Restauarant besteht.

Erst mal schlafen wir ne Runde, der Schlaf im Nachtbus ist schließlich nicht besonders erholsam. Da hier bei uns sonst nix los ist,  laufen wir die ca 45 Minuten Weg entlang der Lagune in den Norden zum größeren Ort. Marita und Mo wollten auch in die Stadt eine neue Badehose für Mo kaufen. Nach fast 4 Wochen zusammen kommt es mir ganz merkwürdig vor ohne die beiden unterwegs zu sein und Stefan ist ganz genervt, da ich in jeden Laden spähe, ob ich die beiden irgendwo entdecke ;)

Wir finden erneut ein Cafe der Kette Cafe Cultura und da es ein nettes Angebot hat und gut besucht ist,  gehen wir hier Abendessen. Der Rückweg kommt uns ewig vor, aber die Abendluft ist angenehm und so schlendern wir zurück zur Pousada.


9. Januar - Samstag

Stefan und ich nehmen heute morgen die Räder der Pousada um wieder in den Ort Lago zu fahren. Wieder im Cafe Cultura angekomen frühstücken wir hier und werden von Marita und Moritz abgeholt. Wir schieben zurück zu unserer Pousada, das ist wohl das letzte Mal dass wir diesen Weg ablaufen. Mit den Fahrrädern geht es aber auch nicht nochmal, die sind echt totaler Schrott, sogar beim Schieben platzt einer der Vorderreifen. 

 
Bei unserer Pousada geht ein Wanderweg los, erst durch Regenwald, dann über Sanddünen erreichen wir den kilometerlangen weißen Sandstrand. Es ist total einsam und die Wellen rauschen mit ordentlich Kraft heran. Wir spazieren den Strand in Richtung Süden, es ist einfach unheimlich idyllisch hier!

 
Nach ein paar Kilometern kommen wir an einem etwas belebteren Strandabschnitt an, hier lassen wir uns nieder und hüpfen in die hereinrauschenden Wellen. Zum Mittag genehmigen sich die Jungs tiefgekühlts Acai, während Marita und ich an Maiskolben knabbern, yammiehh!

Als wir alle genug Sonne, Strand und Meer aufgesaugt haben, machen wir uns auf den Weg in den nahe gelegenen Ort und finden uns in einem Cafe ein, bei Kaffee und Maracujasaft ruhen wir uns aus. Etwas umständlich, aber schließlich schaffen wir auch den Rückweg mit dem Bus. Das Wetter schwenkt bereits um und es nieselt. Wir steigen früher aus dem Bus aus und verabschieden uns für den Abend voneinander. Stefan und ich genießen im Restaurant "Books & Beers" ein richtig tolles Abendessen und Marita und Mo kehren dafür heute im Cafe Cultura ein. Da wir den Weg entlang der Lagune mittlerweile satt haben und es in Strömen regnet, nehmen wir dieses mal das Taxi heim.


10. Januar - Sonntag

Das Wetter hatte es bei meiner bisherigen Reise eigentlich immer ganz gut mit mir gemeint. Hier auf Florianopolis, der letzten Station Maritas & Moritz Reise ist, es nun leider regnerisch. Schade, denn eigentlich wollen wir hier ja Sonne und Meer genießen!

Stefan und ich laufen bei leichtem Nieselregen los. Da wir heute wandern gehen wollen, fangen wir doch jetzt schon mal damit an und laufen wieder zum Ort. Bisschen nass sind wir geworden, aber da ussten wir auch noch nicht wie nass wir noch werden würden ;)

Marita und Moritz holen uns wieder beim Frühstück ab und wir laufen zum Busterminal. Während wir gestern die kilometerlangen Sandstrände im Osten genossen haben, so geht es heute in den unerschlossenen Süden der Insel. Die Buchten sind nicht mit Auto oder Bus erreichbar, sondern nur mit Boot oder durch eigene Kraft: wandern!

Ich freue mich schon riesig, das letzte Mal Wandern war im Chiapada Diamantia und das ist schon über 4 Wochen her! Der Wanderweg hier führt über hügeliges Land, bewachsen mit dichtem Regenwald und es ist wunderschön hier! Dass es nicht ganz so sonnig ist, ist heute eigentlich ein Segen, sonst wäre es wohl ziemlich anstrengend. Es fängt erst wieder an zu nieseln und dann zu regnen. Durch den Regenwald über uns bekommen wir zwar nicht so viel ab, aber der Boden ist matschig. Es hat offensichtluich letzte Nacht auch ordentlich geschüttet. Es macht irre Spaß, wir springen um riesige Matschpfützen herum und bahnen uns den Weg Richtung Bucht. Nach 1,5 Stunden lichtet sich der Regenwald vor uns und es liegt eine einsame Bucht vor uns. Herrlich!!!

Die Bucht ist ein Traum, der Strand ist weiß, hügeliges Land liegt hinter uns, die Bucht ist von sattem Regenwald umgeben. Wir schlüpfen aus den triefnassen und matschigen Turnschuhen und aus den nassen Kleidern und springen in die rauen Wellen! Was für eine Genugtuung :)

Aber was nun? Den Weg zurück gehen? Mit dem Boot zurück fahren? Oder die ca 3-4 stündige Wanderung zur nächsten Bucht in Angriff nehmen. Wir sprechen mit der Gruppe, die sich grad fertig macht mit dem Boot abzureisen, denn sie sind aus der anderen Richtung den langen Wanderweg entlang gekommen und wissen, was vor uns liegt. Sie sagen, es ist beschwerlich und sehr matschig und zudem sehr sehr weit bis zur nächsten Bucht.. Moritz und ich sind für die Wanderung, Marita und Stefan unentschlossen; es regnet mittlerweile stark! Aber schließlich wollen wir was erleben, also auf gehts zur nächsten Bucht! Es geht steiler bergauf, der Weg ist anspruchsvoller, nasser, matschiger und unsere Turnschuhe sind nur noch voller Matsch, genauso wie der Rest von uns :) Es ist irgendwas zwischen eklig, nass, anstrengend und super lustig! So bin ich noch nie gewandert und die anderen scheinbar auch nicht. Moritz geht mit bester Laune voran, gefolgt von einer nur abschnittsweise etwas mürrischen Marita, gefolgt von mir (ich find es lustig) und einem noch mürrischeren Stefan ;) Und dann passiert, was irgendwann passieren musste: Moritz rutscht aus und liegt halb im Schlamm! Und auch davon geht die gute Laune nicht verloren! Er ruft uns zu, an dieser Stelle, die bergab und besonders schlammig ist, ganz vorsichtig zu gehen. Marita und ich passieren die Stelle unversehrt, während Stefan mit Moritz gleichzieht und sich ganau an der gleichen Stelle in den Matsch legt! Blöderweise schürft er sich dabei auch die Hand auf, die gleichzeitig aber auch voller Schlamm ist. Moritz fragt, ob es stark blutet, was Stefan bejaht! #fastverblutet Ich hab mein Erste Hilfe Set dabei und nach kurzer Desinfizierung und Verartzung geht es weiter mit der Matsch-Wanderung durch den Regenwald.. wir können schließlich nicht mehr nasser und nicht mehr matschiger werden ;)

Nach bestimmt 4 Stunden erreichen wir die Bucht! Juhuuuu!!! #überlebt Stefan drückt mir den Rücksack in die Hand "halt mal bitte" und rennt inklusive Turnschuhen und Kleidung ins Meer! Was macht das auch für einen Unterschied? Wir legen die Rücksäcke unter die Bäume und tuen es Stefan gleich, ab in die Fluten! Das ist einfach toll!!

Nachdem wir im Meer zumindest den Matsch abwaschen konnten, spazieren wir triefnass in den nächst gelegenen Ort. Wie sollen wir so nass denn im Bus oder Taxi mitfahren? Da es ein winziges Kaff ist können wir eh kein Taxi finden und lassen uns von einem Cafe ein Taxi rufen. Wir versuchen uns in der Zwischenzeit mit den mitgebrachten Handtüchern zumindest ein bisschen zu trocknen.. Ein Glück nimmt uns das Taxi dann auch mit uns setzt uns an unseren jeweiligen Pousadas ab.

Nachdem wir uns, unsere Kleider und die Turnschuhe gewaschen haben treffen wir uns im "Books & Beers" zum Abendessen. Es ist ein tolles Restauarnt und wir stoßen auf diesen grandiosen Tag an! Sogar Stefan gibt im Nachhinein zu, dass es Spaß gemacht hat und wir sind alle froh über die lustigen Ereignisse des Tages, die keiner von uns wohl je vergessen wird! 

Da wir morgen jeder eigene Wege gehen werden (Marita und Moritz wollen Mopeds leihen und die Insel erkunden) und Stefan und ich werden wohl in die Stadt Florianopolis fahren, ist es jetzt Zeit für den Abschied! Nach 4 Wochen Tschüß zu sagen ist schon schwer und ich bin traurig.. Aber wir hatten eine verdammt geile Zeit zusammen in Brasilien :)

11. Januer - Montag

Nach dem abenteuerlichen Tag gestern ist es heute Zeit für ein bisschen Ruhe. Nach einem gemütlichen Frühstück nehmen wir den Bus nach Florianopolis und gucken uns die Stadt an. Es gibt nicht allzu viel zu sehen und schließlich landen wir wieder im Cafe. Wir trinken grad gemütlich einen Kaffee, da kommen Marita und Morit herein! Wie geil ist das denn? Gestern Abend noch Tschüß gesagt, da treffen wir uns gleich wieder ;) Das Universum möchte wohl, dass wir den letzten Tag noch zusammen verbringen! Marita und Moritz konnten leider keine Mopeds leihen und haben sich daher auch dazu entschlossen die Stadt anzugucken. Wir trinken noch gemeinsam einen Kaffee und machen uns dann gemeinsam auf den Weg Richtung Lagune. Der Himmel reißt jedoch noch auf und die Sonne kommt durch, daher beschließen wir noch mit dem Bus weiter an den Strand zu fahren. Marita & Mo machen schließlich einen Strandspaziergang und Stefan und ich sonnen uns. Abschließend muss Marita natürlich auch den legendären Grillkäse am Strand kosten, das fehlte bisher noch und heute ist wohl auch die letzte Gelegenheit. Bei einem Cocktail in einer der Strandbars lassen wir es uns dann noch gutgehen.

Wo wir schon zuammen unterwegs sind, so können wir auch noch gemeinsam Abendessen. Der Bus zurück in die Stadt ist irre voll, denn alle wollen mit dem Bus zurück in den Ort. Wir haben die Tage ja aufgrund des ständigen Regens kaum Fotos gemacht, da müssen wir zumindest das hier festhalten ;)

  
Da es beim "Books & Beers" viel zu voll ist, wir am Verhungern sind und die anderen Restuarants uns alle nicht zusagen, landen wir zum Abschluss nochmal im Cafe Cultura (die haben die 4 Tage gut an us verdient..). Das Risotto ist lecker und wir sind zufrieden mit der Wahl. Jetzt droht der erneute Abschied, dieses Mal aber wirklich, denn morgen früh geht es für Marita und Moritz zum Flieger. Ein letzter Tag Rio wartet auf die beiden bevor es zurück ins kalte Deutschland geht.

12. bis 16. Januar - Dienstag bis Samstag

Stefan und ich haben genug vom Spaziergang entlang der Lagune, dem Weg zum Ort und von Cafe Cultura ;) Da Marita und Moritz heute früh abgeflogen sind hält uns nichts mehr im Ort Lago, wir haben alles gesehen. Es wird Zeit für eine Veränderung und wir fahren in den Norden der Insel zu unserer neuen Unterkunft. Jetzt sind wir nur eine Straße vom Strand entfernt und lassen es uns die letzten Tage im Norden der Insel noch so richtig gut gehen, schließlich sind es die letzten 4 Tage der gemeinsamen Reise!

Ausblick von der Terrasse unseres Hotels und der Pool:

  

Unser Strandabschnitt hier im Norden ist zwar direkt vor der Tür und muss nicht über lange Wanderungen erreicht werden, dafür ist es hier auch gerammelt voll am Strand..

   

Der Norden der Insel ist nicht nur viel touristischer, erschlossener und voller, es gibt hier auch einen "high-society" Ort, Jurere Internacional! Das ist natürlich auch einen Tagesausflug wert. Wir schlendern hier am Strand Jurere, kehren in einer der Beachbars ein (lecker Sushi) und landen schließlich in einem Beachclub mit großem Pool und Cocktails direkt auf unserem "Himmelbett am Pool" :)

     

Und so genießen wir die letzten Tage am Strand und in Zweisamkeit in vollen Zügen! Das Meer hier im Norden ist sehr viel ruhiger als im Osten oder Süden der Insel, sodass wir auch viel schwimmen können und im Wasser PingPong spielen können. Das Wetter ist auch wieder auf unserer Seite und so haben wir die letzten 4 Tage im Norden noch strahlend blauen Himmel und Sonne pur!

Traurig, wenn die Zeit zuende geht, 6 Wochen Reise gingen schnell um! Es war eine tolle Zeit in Brasilien und der Abschied am Flughafen Florianopolis am Samstag Vormittag ist tränenreich. Es wird jetzt erst mal wieder eine Umstellung alleine unterwegs zu sein..

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